Große Aufregung in Reykjavik - bereits zum zweitenmal in diesem Jahr ist auf der Baustelle des neuen Kultuzentrums "Harpa" ein Feuer ausgebrochen. Alle verfügbaren Feuerwehrmänner wurden alarmiert. Durch Funkenflug von einem Schweißgerät war eine Plane an der Fassade in Brand geraten. Von der Plane griff das Feuer auf einige Holzpaletten über. Mit Feuerlöschern konnten die Arbeiter den Brand allerdings schon vor dem Eintreffen der Feuerwehr unter Kontrolle bringen, die Baustelle wurde sicherheitshalber evakuiert. Der Sachschaden wird als gering eingestuft. Vor einigen Monaten war bereits einmal ein Brand ausgebrochen, damals war Isoliermaterial in Brand geraten.
In den 1970er Jahren führte ein Streit zwischen Großbritannien und Island zum sogenannten "Kabeljaukrieg". Nun gibt es zwischen Island und den Färöerinseln auf der einen Seite und verschiedenen Ländern am europäischen Festland auf der anderen Seite einen heftigen Streit um die Makrelenfischerei. Das isländische Fischereiministerium hat bereits im Frühjahr für die Hoheitsgewässer des Landes eine Quote von 135.000 Tonnen für den Fang von Makrelen festgelegt, die Färöer zogen nun mit einer Quote von 85.000 Tonnen nach. Die anderen Länder werfen Island und den Färöern vor, in unverantwortlicher Weise die Makrelenbestände zu überfischen und EU-Fischer fordern den Schutz ihrer Interessen. Sie sind nicht bereit, eine Verringerung der Fangquote in EU-Gewässern hinzunehmen, weil Island und die Färöer in ihren Gewässern die Art überfischen. Über die von der EU-Fischereiwirtschaft geforderten Sanktionen wird bereits auch in politischen Kreisen nachgedacht. Demnach soll die 200 Meilen Zone aller EU-Länder und Norwegens für Fischereifahrzeuge aus Island und von den Färöern gesperrt werden, außerdem soll die Anlandung von Fischereiprodukten aus Island und von den Färöern in allen Häfen der EU und Norwegens untersagt werden. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass Island seit Jahren versucht, stimmberechtigtes Vollmitglied der "Vereinigung makrelenfischender Länder" zu werden, dies aber von den Mitgliedsländern abgelehnt wird. Andererseits fordern genau diese Mitgliedsländer von Island, sich an die von ihnen festgelegten Quoten zu halten. In island spilete die Makrelenfischerei bisher praktisch keine Rolle, seit drei Jahren finden sich in den Gewässern um Island riesige Makrelenschwärme ein - Ursache könnten die aufgrund des Klimawandels für Makrelen günstigeren Wassertemperaturen sein.
Die EU und Island haben heute offiziell Verhandlungen über den Beitritt Islands zur Europäischen Union aufgenommen. Island hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise einen Aufnahmeantrag gestellt. Zunächst wurden die politischen Voraussetzungen gemäß der "Kopenhagener Kriterien" von 1993 geprüft. Der EU Ministerrat hat den Isländern stabile Institutionen, Demokratie, Rechtsstaaatlichkeit, eine funktionierende Marktwirtschaft und die Fähigkeit, EU-Beschlüsse in nationales Recht zu übertragen, bestätigt. Ziel ist nun ein Beitritt im Jahr 2012 oder 2013. Allerdings gibt es verschiedene Hürden, vor allem im Zusammenhang mit der Fischereiwirtschaft und dem Walfang. Die Isländer lehnen das Fischerei-Quotensystem der EU ab, die EU den Walfang in Island. Selbst wenn diese Hindernisse im Zuge der Verhandlungen aus dem Weg geräumt werden, ist ein Beitritt keineswegs sicher - in Island muss in einer Volksabstimmung über den EU-Beitritt entschieden werden und derzeit ist die Bevölkerung mehrheitlich dagegen.
Seit gestern sind die Westmännerinseln zeitlich näher an Island gerückt. Nach mehrjähriger bauzeit wurde an der Südküste Islands der neue Hafen Bakkafjara eröffnet. Dank des neuen Hafens verkürzt sich die Fahrzeit zur Insel Heimaey von bisher 3 Stunden auf nur noch 30 Minuten. Noch vor wenigen Jahren war es unvorstellbar, an der Südküste Islands einen Hafen zu bauen. Sand- und Kiesbänke machten dies bisher unmöglich. Dank neuer Techniken ist man aber zuversichtlich, den Hafen dauerhaft in Betrieb halten zu können.
Der Comedian Jón Gnarr wurde als neuer Bürgermeister von Reykjavik vereidigt. Er wurde mit der Mehrheit der Stimmen von Gnarrs "Bester Partei" und den Stimmen der Demokratischen Allianz gewählt. Die beiden Parteien hatten die Koalitionsgespräche zuvor erfolgreich beendet. Die Stadträte der Unabhängigkeitspartei und der Grünen sind zwar offiziell nicht an der Koalition beteilgt, Gnarr strebt aber eine Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern des Stadtrates an.
Die Koalition hat eine Vielzahl von Zielen, die in den nächsten Jahren verwirklicht werden sollen. So soll die weitere Ausdehnung der Stadt gestoppt werden, der Autoverkehr soll in einigen Stadtteilen eingeschränkt werden und Bezieher besonders niedriger Einkommen sollen finanziell unterstützt werden. Auch der Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen Reykjavik und Keflavik soll wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden.
Eigentlich ist Jon Gunnar Kristinsson Komiker - demnächst könnte er aber Bürgermeister von Reykjavik sein. Seine Partei, die "Beste Partei", war eigentlich als Parodie auf die etablierten Parteien und Politiker gedacht, holte jedoch bei der Kommunalwahl in Reykjavik gestern auf Anhieb die meisten Stimmen - und das ohne Parteiprogramm. Mit 35% wird die Partei 6 der 15 Stadträte von Reykjavik stellen. Die Konservativen kamen auf 33%, die Sozialdemokraten auf 19% und die Grünen auf 7%. Das Ergebnis wird allgemein als eine Reaktion der Wähler auf das Versagen der etablierten Parteien gesehen. Den Konservativen werfen die Wähler ihre Verwicklung in den Zusammenbruch des isländischen Bankensystems im Herbst 2008 vor. Von der rot-grünen Koalition der amtierenden Ministerpräsidentin Sigurdardottir sind die Isländer ebenfalls enttäuscht, ihr wird vorgeworfen, sich leichtfertig zur Rückzahlung der Milliardenschulden im Ausland verpflichtet zu haben, für die eigentlich private Banken und deren Manager verantwortlich sind. Ministerpräsidentin Sigurdardottir kommentierte das Ergebnis mit den Worten, die Zeit der traditionellen Politik sei in Island vorbei.
Die Anstrengungen der isländischen Regierung zum Wiederaufbau der Wirtschaft scheinen langsam Früchte zu tragen. Die Regierung bemüht sich, Island zu einem Zentrum für moderne Technologie auszubauen und nun konnte der Browserentwickler Opera überzeugt werden, sich in Island niederzulassen. Opera verlegt seine Datenverarbeitungskapazitäten ins Thor Data Center und begründet den Schritt mit dem Zugang zu erneuerbaren Energien und dem Fachwissen der Isländer. Das Thor-Rechenzentrum wurde von isländischen Technikern aufgebaut und verbraucht nur regenerative Energie. Der Wert des Geschäftes wurde mit mehreren Milliarden Kronen angegeben.
Am Gipfelkrater des Eyjafjallajökull ist nur noch minimale Aktivität erkennbar. Die Eruptionswolke war heute hell gefärbt und enthielt praktisch keine Asche mehr, sondern nur noch Dampf. Sie erreichte eine Höhe von etwa 3km. Eine Wärmebildkamera zeigte maximale Temperaturen von nur noch 100°C im Gipfelkrater und bei einem Beobachtunbgsflug war kein Ausstoß von Lava oder Asche erkennbar. Der vulkanische Tremor hat sich weiter abgeschwächt und hat fast das Niveau erreicht, dass er vor dem Ausbruch hatte. Geowissenschaftler wollen aber noch keine endgültige Entwarnung geben, denn auch beim letzten Ausbruch von 1821 bis 1823 gab es einen Wechsel von Ruhephasen und aktiven Phasen.
Die Arbeitslosenquote in Island hat im Jahr 2009 den bisher höchsten Stand erreicht, seit diese Statistik geführt wird (1991). Von den 181.000 Einwohnern Islands, die als Arbeitskräfte verfügbar sind, waren 13.100 arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einer Quote von 7,2%. In diesem Jahr wird ein Wert von 8,5% erwartet, im April lag die Quote bereits bei über 9%. Besonders betroffen sind gering qualifizierte Arbeitskräfte, während Akademiker kaum von Arbeitslosigkeit betroffen sind. In der Altergruppe der 16 bis 24-jährigen verliert ein besonders hoher Anteil seinen Job, findet aber in der Regel kurzfristig wieder eine neue Stelle. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit bei Männern sank seit 1991 von 51 Stunden auf 44 Stunden im letzten Jahr, bei Frauen blieb der Wert mit 35 Stunden praktisch unverändert.
Nach der Veröffentlichung des umfassenden Untersuchungsberichtes am 12. April zum isländischen Bankenkollaps hat nun das große Aufräumen begonnen. Die Aufarbeitung verlagert von der Presse mehr und mehr in Gerichtsäle. Bisher wurden bereits vier frühere Manager der Kaupthing-Bank festgenommen, zuletzt am Dienstag die beiden ehemaligen Spitzenmanager Ingólfur Helgason und Steingrímur Kárason. Gegen den Ex-Aufsichtsratchef Sigurdur Einarsson wurde ein internationaler Haftbefehl ausgestellt. Bereits in der Vorwoche wurden der frühere Vorstandschef Heidar Már Sigurdsson und der Leiter der Kaupthingniederlassung Luxemburg, Magnus Gudmundsson, festgenommen. Den Managern werden Scheingeschäfte in Milliardenhöhe, Dokumentenfälschung, Verletzung von Börsenregeln und Bilanzfälschung vorgeworfen.
Jetzt hat die Islandsbanki (früher Glitnirbank) angekündigt, per Gerichtsklage 1,6 Milliarden Euro beim ehemaligen Haupteigner Jón Jóhannesson einzufordern. In der vor wenigen Tagen veröffentlichten Klageschrift wird Jóhannesson vorgeworfen, die Bank zur Rettung diverser insolventer Unternehmen in krimineller Weise regelrecht geplündert zu haben. Auch die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers muss mit juristischen Schritten rechnen - sie soll Jóhannesson geholfen, die wahre Lage der Bank vor deren Pleite zu verschleiern.
Nach einer relativ ruhigen Phase ist der Vulkan am Eyjafjallajökull in den letzten Tagen deutlich aktiver gewesen. Seit dem 1. Mai ist die explosive Tätigkeit und damit die Ascheförderung wieder angestiegen. In der Umgebung des Vulkans kam es zu vermehrtem Ascheniederschlag. Geologen schätzen den Auswurf auf etwa 20 Kubikmeter (50 Tonnen) Lava und 10-20 Tonnen Asche pro Sekunde. Ab dem 3. Mai wurde zunächst in einer Tiefe von 23km verstärkte Erdbebentätigkeit registriert, die Bebenherde verlagerten sich innerhalb von 2 Tagen nach oben. Vermutlich ist neues Magma aus der Tiefe in die Magmakammer unter dem Vulkan eingeströmt. Die Magmakammer liegt in einer Tiefe von etwa 3-5km Tiefe - diesen Schluß ziehen Wissenschaftlter aus der Tatsache, dass in dieser Tiefe keine Bebenherde registriert wurden. Ab dem 3. Mai zeigten sich zudem deutliche Verschiebungen der GPS-Meßstationen, was die Vermutung eines Magmanachstromes unterstützt. Als Folge des Magmanachschubs kam es 4. Mai und besonders am Abend des 5. Mai zu einer deutlich verstärkten explosiven Tätigkeit und starkem Ascheauswurf. Die Aschewolke erreichte am 6. Mai erstmals seit vielen Tagen wieder eine Höhe von über 9km und führte in den folgenden Tagen zu erneuten Behinderungen im Luftverkehr. Betroffen waren vor allem Portugal, Spanien, Südfrankreich und Italien, aber auch Irland und das nördliche Großbritannien. Am 7. Mai ging die explosive Tätigkeit deutlich zurück.
Der Lavastrom unter dem Gígjökull erreichte bis 8. Mai eine Länge von rund 3km, am 4. Mai wurde ein Lavafall beobachtet. Die Front der Lavazunge hat eine Breite von 200m. Während das Schmelzwasser bis 6. Mai überwiegend an der Westseite des Gígjökull abfloss, trat es danach vermehrt an der Ostseite der Gletscherzunge aus. Vermutlich hat der Lavastrom die Fließrichtung des Wassers geändert. Die Behörden beobachten die Situation genau, da es zu einer Aufstauung des Schmelzwassers unter dem Gletscher kommen könnte und in der Folge größere Gletscherläufe auftreten könnten.
Der Vulkanausbruch am Eyjafjallajökull dauert an. Zwar ist die Stärke des Ausbruchs gegenüber den ersten Tagen um eine Größenordnung zurück gegangen, doch es werden weiterhin etwa 20-30 Tonnen Lava und Asche pro Sekunde ausgestoßen. Die gestiegene Korngröße der Asche sorgt dafür, das der größte Teil der Asche nahe der Ausbruchstelle zu Boden fällt. Aus dem inzwischen entstandenen etwa 200m durchmessenden und 130m hohen Krater wird Lava über 100m hoch ausgestoßen. Ein kleiner Lavastrom ist unter dem Gletscher knapp 1km in Richtung Norden auf den Gígjökull zugeflossen. Zahlreiche Gruppen freiwilliger Helfer sind in den vom Aschefall betroffenen Gebieten mit Reinigungsarbeiten beschäftigt. Die Koordination erfolgt durch das Rote Kreuz.
Erstmals seit Beginn des Vulkanausbruchs am Eyjafjallajökull musste der internationale Flughafen von Island in Keflavik geschlossen werden. Nachdem der Wind in den Nachtstunden auf östliche Richtungen gedreht hatte, trieb die Asche des Ausbruchs in Richtung Westen und damit in Richtung auf den Flughafen. Der Flughafen wurde nach Ankunft eines Fluges aus Spanien um 5.30 Uhr gesperrt. Flüge aus den USA wurden nach Glasgow umgeleitet, der Airport in Akureyri diente für einige Flüge aus Ausweichflughafen.
Zunächst war auch der Inlandsflughafen in Reykjavik geschlossen, er wurde aber bereits am Morgen wieder für Flüge auf Sicht geöffnet.
Inzwischen hat der Turbinenhersteller MTU in Island angefragt, ob die Lieferung von Vulkanasche für Tests an Triebwerken möglich wäre. Im besonders stark von Aschefall betroffenen Gebiet südlich und östlich des Vulkans laufen derzeit die Säuberungsarbeiten. Die Ringstraße war teilweise zentimeterdick von Asche bedeckt und jedes Fahrzeug verursachte gewaltige Staubwolken. Auch Gebäude und Weideflächen werden von der Asche befreit.
Der Ausstoß von Asche am Eyjafjallajökull ist deutlich zurück gegangen. Wie das isländische Wetteramt mitteilte, ist die Eruptionswolke nur noch etwa 3-5km hoch und besteht überwiegend aus Wasserdampf. Trotzdem kam es südlich des Gletschers in der Nacht noch zu erheblichem Ascheniederschlag. Bei einem Beobachtungsflug wurde am Vormittag festgestellt, dass derzeit praktisch kein Eis mehr in direkten Kontakt zur Lava kommt. Die Ascheeruptionen dürften damit zumindest vorerst weitgehend beendet sein. Vielmehr wurde beim Beobachtungsflug erneut glühende Lava beobachtet und es wird damit gerechnet, dass die Lava in absehbarer Zeit beginnen wird, Richtung Norden zu fließen. Am Abend war allerdings noch keine fließende Lava zu sehen, glühende aus dem Krater ausgestoßene Lavabomben erreichten aber die Größe eines Autos und waren nach Anbruch der Dunkelheit deutlich erkennbar.
Inzwischen werden die Folgen des Ausbruchs auch für viele Isländer spürbar. Die in den letzten Tagen gefallene Asche wurde durch Regen zu einer betonharten Schicht und Bauern fürchten um ihre Wiesen. Durch die Flugausfälle ist es der Fischindustrie nicht möglich, Frischfisch zu exportieren, einige Firmen haben ihre Mitarbeiter bereits nach Hause geschickt.
Der Eyjafjallajökull ist nach wie vor sehr aktiv. Die Messung seismischer Aktivitäten zeigte noch keinen Rückgang. Allerdings scheint in unmittelbarer Nähe der Ausbruchstelle bereits ein großer Teil des Gletschereises abgeschmozlen zu sein. Dem Vulkan könnte so der "Treibstoff" für die Dampfexplosionen in absehbarer Zeit ausgehen. Wie heute bei einem Überflug festgestellt wurde, erreichte die Eruptionswolke nur noch eine Höhe von etwa 3km. Mit dem IMO-Radar bei Keflavik konnte die Aschewolke um 8.00 Uhr nicht mehr registriert werden. Gleichzeitig warnen Fachleute vor verfrühten Hoffnungen auf ein Ende des Ausbruchs. Seriöse Vorhersagen darüber sind nicht möglich, man rechnet allerdings allgemein mit einem Rückgang der explosiven Tätigkeit. Seit Beginn des Ausbruchs hat der Vulkan etwa 140 Millionen Kubikmeter Asche gefördert, dies entspricht etwa 750 Tonnen pro Sekunde. In Seljavellir, das am stärksten vom Aschefall betroffen war, hat sich eine bis zu 10cm dicke Ascheschicht gebildet.
Unterdessen haben die Behörden ein neues "Sorgenkind". Das Wasserreservoir für die Insel Heimaey liegt im Einflußbereich des Ausbruches und könnte durch die Asche und darin enthaltene Stoffe ungenießbar werden.
Video: Das Team von iceland.de beim Picknick vor dem Vulkan (ARD Weltspiegel 18.4.)

In der vergangenen Nacht traten in der Aschewolke über dem Eyjafjallajökull vermehrt Blitze auf. Zwischen Mitternacht und 4:40 Uhr wurden 22 Blitze registriert. Die Zahl der Blitze nahm im Tagesverlauf insgesamt zu und am Abend waren teilweise im Minutenabstand Entladungen zu sehen. Die rasch nach oben steigenden Aschepartikel laden sich elektrostatisch auf, Entladungsblitze treten sowohl innerhalb als auch am Rand der Wolke auf. Auch zwischen der Wolke und dem Boden können sich Blitze entladen. Die Behörden haben davor gewarnt, dass Blitze in einer Entfernung bis zu 40km von der Ausbruchstelle auftreten können. Bewohner der vom Ascheniederschlag betroffenen Gebiete wurden davor gewarnt, Elektrogeräte und Telefone zu nutzen. Fenster sollen geschlossen bleiben, der Kontakt mit Wasser - auch unter der Dusche - soll vermieden werden und es wird empfohlen, sich von Stromleitungen und Maschinen fern zu halten.
Der Ascheniederschlag wächst sich inzwischen vor allem für Landwirte in den betroffenen Gebieten zum Problem aus. Über 500 Pferde konnten nicht in Ställen untergebracht werden, um sie vor der Asche zu schützen. Ein Teil der Tiere wurde in andere Landesteile transportiert. Da die Asche reich an Fluor ist, dürfen Haustiere kein Wasser aus Bächen oder anderen offenen Wasserstellen trinken. Fluor lagert sich an Stelle von Calcium in den Körper ein und führt u.a. zu Zahnausfall und brüchigen Knochen. Insbesondere Milchbauern benötigen große Mengen Wasser - pro Tag und Tier bis zu 150 Liter. Im schlimmsten Fall bleibt nur die Notschlachtung und damit der wirtschaftliche Ruin für die Bauern.
Der Ascheniederschlag hielt gestern praktisch den ganzen Tag an, betroffen waren die Gebiete südlich und östlich der Ausbruchstelle. An einigen Stellen liegt die Asche inzwischen mehrere Zentimeter dick.


In der vergangenen Nacht kam es zu zwei weiteren Gletscherläufen im Markarfljót. Gegen 2 Uhr und 3 Uhr war jeweils ein deutlicher Anstieg des Wasserspiegels im Fluß zu beobachten. Die Straße im Gebiet von Fljótshlíð war nach dem Gletscherlauf von gestern Abend an vielen Stellen von großen Eisblöcken bedeckt und nicht befahrbar. Arbeiter haben die Straße im Verlauf des Tages geräumt Die Ringstraße von Hvolsvöllur Richtung Osten ist weiterhin gesperrt, auch zwischen Vík und Kirkjubæjarklaustur war die Ringstraße wegen Aschefall zeitweise gesperrt.
Der Aschefall in Kirkjubæjarklaustur und Höfn war am Morgen nur noch minimal. Im Tagesverlauf erreichte die Eruptionswolke mehrfach eine Höhe von rund 10km. Da der Wind langsam auf Nord drehte und der Ausbruch unvermindert anhält, kam es am Abend auch in Vík zu kräftigem Ascheregen. Die Kinder der Grundschule Vík waren bereits am Vormittag im Gebrauch von Feinstaubmasken unterwiesen worden.
Am Morgen fand auch eine Versammlung verschiedener Behörden, die mit dem Vulkanausbruch befasst sind, statt. Die meisten Fachleute und Behördenvertreter sind der Meinung, der Ausbruch könne noch Tage oder sogar Wochen andauern. Im Gegensatz zum Ausbruch am Fimmvörðuháls handelt es sich beim Ausbruch im Gipfelbereich des Eyjafjallajökull um einen explosiven Ausbruch. Durch den direkten Kontakt von Magma und Eis bzw. Wasser kommt es zu gewaltigen Dampfexplosionen, das Magma wird dabei schlagartig abgekühlt und zerplatzt zu winzigen, glasartigen Aschestücken.
Wie berechtigt die Flugverbote über Europa sind, zeigte sich gestern an einer finnischen Militärmaschine. Sie war noch vor Verhängung des Flugverbotes in die Aschewolke geraten und in den Triebwerken hatte sich geschmolzene und wieder erstarrte Asche festgesetzt.

Der gestern ausgebrochene Vulkan im Gipfelbereich des Eyjafjallajökull hat in den Gebieten östlich der Ausbruchstelle zu Ascheniederschlägen geführt. Besonders die Bezirke Álftaver, Meðalland und Skaftártunga waren betroffen. Die Sichtweite betrug zeitweise unter 150m. Östlich von Vík musste die Ringstraße wegen des Aschefalls im Bereich des Mýrdalssandurs gesperrt werden. Die Ortschaften Vík und Skógar sowie viele Weiler sind damit derzeit weder von Osten noch von Westen aus erreichbar.
Die Aschewolke hat aufgrund der Westwinde inzwischen auch die britischen Inseln erreicht. Am frühen Morgen wurden alle Flughäfen nördlich von Manchester (u.a. Aberdeen, Gatwick, Glasgow, Edinborg, Newcastle und Belfast) geschlossen. Am Mittag folgte eine Sperrung des gesamten Luftraums über Großbritannien und Norwegen sowie Teilen des Luftraumes über Deutschland, Dänemark und anderen Ländern. Weitere Einschränkungen auch im Luftverkehr zwischen Asien und Amerika werden erwartet. Der Meteorologe Þorsteinn Jónsson geht schilderte den schlimmsten möglichen Fall. Wenn der Ausbruch zumindest noch einige tagen anhält - und davon gehen fachleute aus - könnte die ganze Nordhalbkugel der Erde von der Aschewolke erfaßt werden. Dies würde eine praktisch vollständige Einstellung des Flugverkehrs nach sich ziehen. Der Flughafen Keflavik ist derzeit offen und es werden Flüge zu Destinationen abgefertigt, die nicht von den bisherigen Schließungen betroffen sind.
Die Asche kann Flugzeugen vor allem gefährlich werden, weil sie Fenster der Flugzeuge regelrecht "sandstrahlen" kann und Piloten die Sicht genommen wird. Darüber hinaus können bereits kleine Mengen Asche zu Triebwerkausfällen führen und die Geschwindigkeitsmesser der Flugzeuge verstopfen.
Während die Auswirkungen des Vulkanausbruches auf den Flugverkehr gerade erst begonnen haben, hat man in Island angefangen, die gestern durch die Gletscherläufe entstandenen Schäden an der Ringstraße zu reparieren, um sie wieder für den Verkehr öffnen zu können. Trotz der starken Ascheniederschläge im Bereich des Mýrdalssandurs wurde am Nachmittag ein LKW mit Lebensmitteln von Kirkjubæjarklaustur aus auf den Weg nach Vík geschickt. Dort waren im Supermarkt bereits Milch und Brot knapp geworden. Die Ringstraße konnte am Abend dann allerdings im Bereich des Myrdalssandur wieder geöffnet werden.
Auch in Kirkjubæjarklaustur hat am Nachmittag Ascheniederschlag eingesetzt, in Höfn am Abend. Proben wurden per Helikopter zur Untersuchung nach Reykjavik gebracht. Von früheren Ausbrüchen ist bekannt, dass die Asche große Mengen Flour enthält. Die Auswirkungen auf die Vegetation und insbesondere die Weideflächen sind noch nicht absehbar.
Am frühen Abend wurde erneut die Evakuierung zahlreicher Höfe und einiger kleinerer Orte angeordnet. Eine neue Flutwelle bewegte sich vom Gletscher in Richtung Meer. Zunächst war eine deutlich größere Flutwelle als am Vortrag befürchtet worden, sie fiel jedoch dann letztlich sogar etwas kleiner aus. Die meisten Evakuierten konnten noch am Abend wieder in ihre Häuser zurückkehren.


In der vergangenen Nacht wurden die Bewohner von mehr als 20 Bauernhöfen evakuiert, die direkt unterhalb des Eyjafjallajökull liegen. Auch Bewohner des Tales Fljótshlið mussten ihre Häuser verlassen, insgesamt wurden rund 700 Menschen evakuiert. Nachdem der Ausbruch am Fimmvörðuháls seit 12. April erloschen ist, kam es am 13. April kurz vor Mitternacht im südwestlichen Teil des Eyjafjallajökull zu einer ganzen Serie von Erdbeben bis zu einer Stärke von 2,8 auf der Richterskala. Die Bebenherde lagen in einer Tiefe von etwa 2km. Die Ringstraße wurde zwischen Hvolsvöllur und Skógar gesperrt.
Am Morgen wurde von Flugzeugen aus im südwestlichen Teil des Gletschers eine große Dampfwolke entdeckt. Die Wassermenge im Fluß Markarfljót ist deutlich angestiegen. Der Vulkanologe Haraldur Sigurdsson hat gegenüber dem Fernsehsender RUV die Vermutung geäußert, der Hauptkrater des Eyjafjallajökull sei ausgebrochen. Diese Vermutung hat sich Verlauf des Vormittags bestätigt. Der Vulkan war zuletzt in den Jahren 1821 - 1823 aktiv.
In der Lagune unter der Gletscherzunge Gígjökul an der Nordseite des Gletschers ist der Wasserspiegel innerhalb weniger Stunden um mehrere Meter angestigen. Gegen 11 Uhr berichteten Beobachter von einer Schmelzwasserflut im Fluß Markarfljót, die abfließende Wassermenge wurde bei steigender Tendenz auf 1.000 Kubikmeter pro Sekunde geschätzt. Bei weiteren Erkundungsflügen wurde eine große Absenkung im Gletschereis entdeckt, sie erreicht Ausmaße von 600m x 1km. Hier wird das Eis über der Ausbruchstelle geschmolzen und die aufliegenden Eisschichten brechen ein. Die Länge der in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Euptionsspalte wird auf 2km geschätzt, die Eruptionswolke erreichte eine Höhe von etwa 7km.
Östlich der Brücke über den Fluß Markarfljót wurden Breschen in den Damm der Ringstraße gegraben, um den Wassermassen einen Weg Richtung Meer zu öffnen. Man hofft, auf diese Weise die Brücke über den Fluß retten zu können, die von den Schmelzwassermassen zerstört zu werden droht. Um die Mittagszeit wurde die Ringstraße vom Gletscherlauf im Markarfljót überflutet, der Gletscherlauf erreichte einen ersten Höhepunkt. Eine zweite Flutwelle wurde um 17.30 Uhr gemeldet.
Experten sprechen inzwischen von einem vielfach stärkeren Ausbruch als am Fimmvörðuháls. Die meisten evakuierten Bewohner der gefährdeten Gebiete konnten trotzdem am Abend in ihre Häuser zurückkehren. Aufgrund des relativ starken Ascheauswurfs und der westlichen Winde kommt es zu erheblichen Behinderungen im internationalen Luftverkehr. Der Flugverkehr im gesamten nordnorwegischen Luftraum wurde am Abend eingestellt, mit erheblichen Einschränkungen im Flugverkehr über Schweden und Russland wird für die kommenden Tage gerechnet. Östlich der Ausbruchstelle kam es in den Abendstunden zu kräftigen Ascheniederschlägen. Insbesondere die Bezirke Skaftártunga, Meðalland und Landbrot waren davon betroffen und aufgrund des hohen Flourgehalts fürchten Landwirte um ihre Tiere und Wiesen.
Der Vulkanausbruch am Fimmvörðuháls scheint zu Ende zu sein oder zumindest eine Pause einzulegen. In den letzten Tagen hat die Aktivität deutlich nachgelassen. Aus dem Krater wird keine Lava mehr ausgestoßen, lediglich ein schwaches Glühen ist noch im Krater zu erkennen. Aktuelle GPS-Messungen zeigen, dass sich die Erdoberfläche an mehreren Stellen wieder auf das Niveau vor dem Ausbruch gesenkt hat. Geophysiker sind allerdings der Meinung, es sei zu früh, den Ausbruch für beendet zu erklären. Es gibt andere Bespiele für eine vorübergehende Ruhephase und darauf folgende erneute Ausbrüche, so z.B. die Surtsey-Eruption von 1963. Der Vulkan steht weiter unter genauer Beobachtung und das Sperrgebiet mit einem Radius von 1km um die Ausbruchstelle besteht weiterhin.
Nach knapp zweieinhalb Wochen Aktivität ist die erste Eruptionsspalte des Ausbruchs am Fimmvörðuháls erloschen. Die zweite am 31.3. entstandene Spalte ist nach wie vor sehr aktiv und das Gebiet westlich dieser Spalte ist für Besucher gesperrt. Mehrere zehntausend Menschen haben die Eruption inzwischen live gesehen. Rundflüge, Superjeeptouren und Busausflüge erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit und mehr als eine Million Internetnutzer haben die Websites mit den Webcams besucht, die auf die Eruption gerichtet sind.
Nun ist es traurige Gewissheit - der dritte seit Montag vermisste Tourist wurde gestern Abend tot aufgefunden. Bereits früher am gestrigen Tag wurde eine seiner Begleiterinnen tot gefunden, die zweite konnte lebend geborgen werden. Der Mann hatte am Sonntag über die Notrufnummer 112 Hilfe angefordert, weil er sich mit seinen beiden Begleiterinnen auf dem Weg zurück vom Vulkanausbruch am Eyjafjallajökull verirrt hatte und der Geländewagen feststeckte. Die Rettungskräfte standen die ganze Nacht mit ihm in Kontakt und am Montag morgen teilte der Mann mit, es sei ihm gelungen, den Wagen wieder flott zu machen und er benötige keine weitere Hilfe. Als die drei dann am Montag Abend noch nicht wieder zurück gekehrt waren, wurden die Rettungskräfte erneut von Verwandten alarmiert.
Zunächst wurde eine der beiden Frauen lebend gefunden, danach das Fahrzeug und kurze Zeit später nicht weit vom Fahrzeug entfernt die zweite Frau. Vermutlich ist sie erfroren. Der Mann wurde gestern Abend gegen 21.30 Uhr etwa 5km vom Fahrzeug entfernt aufgefunden, wahrscheinlich ist er ebenfalls erfroren. Bei den drei Touristen handelt es sich um Isländer, die nach Angabe der Rettungskräfte nicht für das Hochland und winterliche Verhältnisse ausgerüstet waren.

Der Vulkan im Gebiet Fimmvörðuháls ist weiterhin aktiv. Nachdem ein erster Höhepunkt des Ausbruchs bereits vor etwa einer Woche überschritten wurde, haben die Behörden in den letzten Tagen das Gebiet um die Ausbruchstelle weitgehend für Besucher freigegeben. Täglich kamen mehrere hundert Menschen zu Fuß, mit Motorschlitten, in Superjeeps oder mit Flugzeugen direkt an die Ausbruchstelle. Trotz zahlreicher Warnungen waren einige Besucher sehr schlecht ausgerüstet und mussten von Rettungskräften vom Gletscher gebracht werden
Am 31. März gegen 19.30 Uhr nahm der Ausbruch eine auch für Wissenschaftler unerwartete Wendung. Während sich hunderte Besucher in unmittelbarer Nähe des Hauptkraters aufhielten öffnete sich innerhalb von etwa 30 Minuten nur wenige hundert Meter nordwestlich des Haupkraters eine neue Eruptionsspalte. Sie erreichte eine Länge von etwa 500 Metern, die ausfließende Lava strömte in Richtung der Schlucht Hvannárgil. Da nicht absehbar war, wie sich die Situation weiter entwickeln würde, mussten die am berg stationierten Einsatzkräfte der bergrettung und Polizei den kompletten Gletscher evakuieren. Dabei kamen auch die Helikopter der Küstenwache zum Einsatz, da sich zahlreiche Wanderer im Ausbruchgebiet aufhielten, die nicht auf andere Art den Gefahrenbereich verlassen konnten. Fachleute rechnen nun damit, dass der inzwischen mehrere Kilometer lange Lavastrom das Ende der Hvannárgili erreichen könnte und dann womöglich in den Gletscherfluß Krossá fließt.