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Der Hof Glaumbær

Karte Glaumbær.

Der Bauernhof Glaumbær ist einer der am besten erhaltenen Höfe, die in der für Island typischen Torfbauweise errichtet wurden. Bis Ende des 19 Jahrhunderts war dies der typische ländliche Baustil. Holz stand als Baustoff nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Die tragende Konstruktion wurde häufig aus Treibholz errichtet, da es durch die Einwirkung des Meerwassers sehr haltbar war. Die Außenwände bestanden aus dicken Torfschichten, das Dach war mit Gras gedeckt. Torf ist unter den klimatischen Bedingungen Islands ein haltbarer Baustoff, die Konstruktionen überdauerten ohne Probleme 100 Jahre. Voraussetzung war allerdings die richtige Technik. Die Wände wurden meistens im Fischgrätenmuster aufgeschichtet, was ihnen die nötige Stabilität verlieh. Besonders wichtig war der richtige Neigungswinkel des Grasdaches. Bei zu flacher Konstruktion staute sich das Wasser und drang durch das Dach ins Innere des Hauses, im schlimmsten Fall konnte das Dach unter der Last der vollgesogenen Grassoden sogar zusammenbrechen. War der Winkel des Daches zu groß, bildeten sich bei trockener Witterung Risse und das Dach wurde undicht. Außerdem trocknete das Gras zu schnell aus und konnte nicht richtig wachsen. Bei Dauerregen bestand die Gefahr des Abrutschens der Grassoden. Die Verwendung des Baustoffes Torf führte auch zum typischen Grundriß der Bauernhöfe. Da es bei Verwendung von Torf sehr schwierig ist, größere Gebäude zu errichten, wurde jeder Raum als eigenes kleines Haus gebaut. Die wichtigsten Räume wurden dann durch einen zentralen Gang verbunden. In Glaumbær ist dieser zentrale Gang etwa 20m lang. Dies verleitete einen Besucher zur Frage, ob der Gang wohl zum nächsten Bauernhof führen würde. Der Gang verbindet 9 der 13 Räume von Glaumbær. Er ist durch zwei Türen unterteilt, die den Wohnbereich vor Kälte schützen sollten.

Der Grundriß des Glaumbær-Hofes.
Der Grundriß des Glaumbær-Hofes.

Gästezimmer (Raum 2)

Dieser Raum wurde 1841 errichtet. Im August des gleichen Jahres übernachtete der bekannte und geschätzte isländische Dichter Jonas Hallgrimsson hier. In die Bettvorhänge sind einige Zeilen aus einem seiner bekanntesten Gedichte eingestickt. Das Gästezimmer hatte auch repräsentative Zwecke zu erfüllen. Nicht zuletzt deshalb wurden in die Gästezimmer oft Glasfenster eingesetzt, während in anderen Räumen Kalbshäute als Fenster dienten. Die Wände des Gästezimmers waren oft mit Holz verschalt und schafften so eine wohnliche Atmosphäre.

Küche (Raum 3)

Die Küche ist der älteste Raum des Hofes und wurde Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Sie wurde bis zum Jahr 1900 genutzt. In der Küche wurde nicht nur für 20 Personen gekocht, sie diente auch als Räucherstube für Hangikjöt (geräuchertes Lammfleisch). Durch den Rauch wurde auch das Holz der tragenden Konstruktion konserviert, Küchengebäude waren deshalb besonders lange haltbar.

Da über Jahrhunderte auch ein Mangel an Brennholz bestand, wurde getrockneter Schafdung (geruchlos) als Brennstoff verwendet. Später wurde der Dung gemahlen und als Dünger für die Heuwiesen benutzt, die unmittelbar am Hof lagen.

Die Küche von Glaumbær.
Die Küche von Glaumbær.

Vorratsraum (Raum 4)

In diesem Raum wurden Lebensmittel aufbewahrt und von der Bäuerin in Portionen aufgeteilt. Da kaum Handelsbeziehungen zu anderen Ländern bestanden, wurden selbst angefertigtes Holzgeschirr und selbst angefertigte Vorratsbehälter benutzt.

Gästeraum (Studierstube, Raum 5)

Neben dem repräsentativen Gästeraum gleich am Eigang stand noch ein zweiter Raum für Besucher zur Verfügung. Er wurde vor allem während der Wintermonate als Schulzimmer genutzt. Der Pfarrer war gleichzeitig auch Lehrer und unterrichtete die Kinder.

Baðstofa (Räume 6, 7, 8)

Die Baðstofa war das eigentliche "Wohnzimmer" des Hauses. Hier verbrachten der Bauer und seine Familie mit den Knechten und Mägden die Abende und Wintertage. In der Baðstofa wurde nicht nur geschlafen, sondern auch gearbeitet und gegessen.

In der Baðstofa von Glaumbær, die 1876 errichtet wurde, stehen an den Seitenwänden 11 Betten. Da meistens zwei Personen in einem Bett schliefen, bot die Baðstofa 22 Menschen Platz. Die Betten dienten tagsüber auch als Sitzgelegenheit beim essen und arbeiten. Oberhalb der Betten wurden auf einem Regal die persönlichen Habseligkeiten aufbewahrt. Dazu gehörte auch eine hölzerne, mit Schnitzereien verzierte Schüssel, in der die Mahlzeiten aus der Küche gebracht wurden.

Die Betten der Frauen lagen an der Fensterseite, da sie für ihre Arbeiten - spinnen und stricken - mehr Licht brauchten. Die Männer kämmten auf ihrer Seite Wolle und fertigten Seile aus Roßhaar. Während der lange Winterabende war die Baðstofa durch Ölfunzeln erhellt und einer der Bewohner unterhielt die anderen durch rezitieren von Gedichten oder alten Sagas.

Es war üblich, sich angezogen ins Bett zu legen. Wolldecken und selbst gemachte Federbetten sorgten für wohlige Wärme. Während der Nacht wurde an der Vorderseite der Betten ein oft reich verziertes Bettbrett eingesetzt, um zu verhindern, daß das Bettzeug während der Nacht in Unordnung gerät.

Die Baðstofa von Glaumbær.
Die Baðstofa von Glaumbær.

Die Frauen schliefen an der Fensterseite, die Männer auf der gegenüberliegenden Seite. Um in den beengten Verhältnissen Streitigkeiten zu vermeiden und zumindest ein minimale Privatsphäre zu gewähren, mußten von allen Bewohnern bestimmte Regeln eingehalten werden.

Der Raum wurde durch die Körperwärme der Bewohner geheizt. Da Torf hervorragend isoliert und die Leute Wollkleidung trugen, war keine zusätzlich Heizung notwendig.

Die Baðstofa von Glaumbær ist in drei Räume unterteilt. Im nördlichen Raum stehen zwei Betten und ein Kinderbett für den Jungbauern und seine Frau. Der mittlere Teil war für Knechte und Mägde vorgesehen, im südlichen Teil schliefen der Bauer und seine Frau.

Südausgang (Raum 9)

Der Südausgang wurde benutzt, um Wasser ins Haus zu schaffen und Asche ins Freie zu bringen. Gleichzeitig diente er als Notausgang, fall im vorderen Teil des Gebäudes (Küche!) Feuer ausbrechen sollte.

Vorratsraum (Raum 10)

Im zweiten Vorratsraum wurde in großen Fässern gesäuertes Fleisch und Sauermilch (Skyr) gelagert.

Vorratsraum
Vorratsraum

Milchkammer (Raum 11)

Im dritten Vorratsraum wurde v.a. Milch gelagert. Nach 36 Stunden hatte sich der Rahm abgeschieden und die Milch wurde abgelassen. Der Rahm wurde zu Butter weiterverarbeitet, ein Teil der Milch zu Skyr. Zur Reinigung der Holzgefäße wurden Roßhaarpinsel verwendet.

Gästezimmer (Raum 12)

Dieses Gästezimmer wurde 1878 errichtet. Die Bilder an den Wänden zeigen wichtige Persönlichkeiten aus dem Skagafjördurgebiet des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.

Lagerräume (Räume 13 und 14)

Die beiden Räume dienten als Lageräume u.a. für Werkzeug. Besonders interessant sind die ausgestellten Roßhaarseile und die aus Torf gefertigten Packsattel.

Schmiede (Raum 15)

Früher hatte jede Farm ihre eigene Schmiede. Hier wurden Werkzeuge repariert und Sensen geschärft.