Sie befinden sich hier:  iceland.de TrennzeichenLandeskunde TrennzeichenLiteratur Trennzeichen



Hurtigruten

Katla

Arktisentdecker

Literatur und Sprache

Die isländische Sprache hat sich in den letzten 1000 Jahren kaum verändert, sie ist dem altnorwegischen auch heute noch sehr ähnlich. Dies ist auch leicht nachvollziehbar, denn bereits kurz nach Einführung des Christentums und der damit verbundenen Verwendung lateinischer Schriftzeichen begannen die Isländer, ihre Sagen, Geschichten und auch amtliche Dokumente in ihrer eigenen Sprache zu Papier zu bringen. Diese schriftlich festgehaltenen Texte konnten unverändert von Generation zu Generation weitergegeben werden, die alte Sprache und Ausdrucksweise blieb bis heute erhalten. Literatur hat also in Island eine lange Tradition und so wundert es nicht, dass in jedem Jahr hunderte neue Bücher auf den Markt kommen. Für die Isländer stellt die gemeinsame Sprache auch das wichtigste gemeinsame kulturelle Element dar. Noch heute wird darauf geachtet, die Sprache vor fremden Einflüssen soweit möglich zu schützen.

Wer sich mit der Sprache etwas intensiver beschäftigt, hat zwar mit einer komplizierten Grammatik zu kämpfen, andererseits macht es aber auch Spaß, die wunderschönen Umschreibungen zu "entschlüsseln". Im isländischen gibt es z.B. das Wort "muna" (sich erinnern, an etwas denken). Den gleichen Ursprung hat auch das Wort "mynd" (Bild) - ein Bild ist also eine festgehaltene Erinnerung oder ein festgehaltener Gedanke. Zusammen mit dem Begriff "ljós" (Licht) wird daraus das Wort "ljósmynd" (Foto) - eine mit Hilfe von Licht festgehaltene Erinnerung. Um Fotos aufzunehmen, benötigt man natürlich einen Apparat - auf isländisch "vél" (Apparat, Maschine). Der Fotoapparat "ljósmnydavél" ist eine "Lichtbildmaschine". Fotoapparate kann man auch in Island im Straßenverkehr einsetzen, um Temposünder dingfest zu machen. Dann dient diese Kamera der Überwachung, auf isländisch "gæsla" (überwachen). Das Ganze geschieht im Auftrag der wachsamen Augen des Gesetzes, auf isländisch "lög". Und wenn man all das in einen Topf wirft und gut umrührt, dann wird daraus eine "Gesetzüberwachungslichtbildmaschine" oder auf gut isländisch "löggæslumyndavélunum".

Die Gesetzüberwachungslichtbildmaschine.
Die Gesetzüberwachungslichtbildmaschine.

Natürlich hat sich die Sprache auch in Island im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. So wurde im Jahr 1973 nach einer langen und erregten Parlamentsdebatte der Buchstabe "Z" abgeschafft. "S" und "Z" wurden gleich ausgesprochen, aber nach offizieller damals gültiger Rechtschreibung war festgelegt, in welchen Worten "S" und "Z" zu verwenden waren. Seit der Abschaffung des "Z" ist einer der häufigsten Rechtschreibfehler Vergangenheit. Gelegentlich wird das "Z" trotzdem noch verwendet, so z.B. im Firmenname "Pizza 67". Das ist auch durchaus sinnvoll, denn die Schreibweise "Pissa" wäre für die Pizza-Kette wohl eher geschäftsschädigend - "pissa" ist der etwas vulgäre Ausdruck für "urinieren" und auch die Schreibweise "Pitsa", die den isländischen Ausspracheregeln entsprechen würde, ist zumindest gewöhnungsbedürftig...