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Die Njálls-Saga

Die von einem unbekannten Gelehrten im 13. Jahrhundert verfaßte Njálls-Saga ist die Geschichte einer 50 Jahre währenden Blutfehde, die das Land zweihundert Jahre vor der Niederschrift gespalten hat. Anders als viele mittelalterliche Werke des übrigen Europa, ist diese Sage ein lebendiges Werk mit anschaulich geschilderten Figuren, sprühenden Dialogen und einer auch heute noch spannenden Handlung.

Die Njálls-Saga besteht aus drei Teilen. Der Titelheld, Njáll Thorgeirsson, ist der fähigste Rechtsgelehrte des Landes, verfügt über das zweite Gesicht und genießt als integerer Mann allgemein hohes Ansehen. Dieser Bauer, der niemals sein Schwert im Zorn erhöbe, ist dennoch den strengen traditionellen Codes der Familienloyalität und Ehre verpflichtet, die ihn und die ihm Nahestehenden schließlich in den Abgrund reißen. Njáll ist in einem Großteil der nach ihm benannten Saga weniger Agierender, als Reagierender.

Der erste Teil der Saga behandelt Njálls Freundschaft mit dem größten Krieger des Landes, Gunnar. Gunnar, Veteran zahlreicher Wikingerscharmützel, war ein solch talentierter Kämpfer, dass er "drei Schwerter auf einmal zu schwingen schien" und oft eine magische Hellebarde benutzte, die sang, bevor sie auf Blut stieß. Trotz dieser Fähigkeiten war er von freundlicher Gemütsart und ging Ärger möglichst aus dem Weg. Die Schwierigkeiten begannen, als er die schöne, intrigante Hallgerdur die Langbeinige heiratete, die bereits zwei Ehemänner wegen einer Ohrfeige ins Jenseits befördert hatte.

Hallgerdur begann eine Fehde mit Njálls Ehefrau Bergthora. Beide Frauen ordneten wechselseitig die Ermordung ihrer Sklaven an - ein tödliches Revanchespiel, aus dem sich die Freunde Gunnar und Njáll heraushielten, ohne es jedoch aufhalten zu können. Verwandte der Opfer wurden in die Fehde hineingezogen, bis Gunnar beim Althing der Ermordung einiger Angreifer in Notwehr angeklagt und zu drei Jahren Verbannung verurteilt wurde. Als er von seinem Hof fortritt, strauchelte sein Pferd und er blickte zurück auf sein Heim. "Wie schön sind diese Hügel", sagte er, "schöner, als sie mir je zuvor erschienen, mit goldenen Kornfeldern und frischgemähtem Heu. Ich kehre zurück und werde nicht fortgehen."

Die Entscheidung hatte fatale Folgen. Bald umlagerten Gunnars Feinde den Hof. Eine Zeitlang konnte er sie mit Pfeil und Bogen in Schach halten, bis ihm die Saite riß. Gunnar bat seine Frau, ihm aus zwei ihrer Haarlocken eine neue Bogensaite zu flechten, doch die heimtückische Hallgerdur weigerte sich unter Hinweis auf eine früher empfangene Ohrfeige. Seine Antwort auf dieses Todesurteil ist eine der berühmtesten Zeilen aus den Sagas: "Ein jeder ernte Ruhm auf seine Weise. Die Bitte wird kein zweitesmal an dich gerichtet." Obwohl Gunnar viele seiner Feinde mit in den Tod nahm, unterlag er schließlich doch.

Wandteppich mit Motiv aus der Njálls-Saga.
Wandteppich mit Motiv aus der Njálls-Saga.

Das Blutvergießen war damit jedoch keineswegs beendet. Die drei Söhne Njálls, Helgi, Grimur und Skarphédinn, wirkten bei der Rache an Gunnars Mördern mit. Sie wollten auch Thráin Sigfusson töten, der an einem der früheren Hinterhalte beteiligt gewesen war. Bei Stora Dimon, einer Klippe in der Kiesebene des Markarfljót, erwarteten die drei Njálssons eines Wintermorgens im Jahre 995 Thráin Sigfusson und seine Spießgesellen.

Der Hinterhalt wurde entdeckt und Thráin schien schon fast entkommen, als Skarphédinn auf das glasklare Eis des Markarfljót sprang, in rasender Geschwindigkeit auf seinen glatten Lederstiefeln flußabwärts schlitterte und Thráin mit seiner Axt den Schädel spaltete "dass seine Backenzähne aufs Eis flogen".

Njáll war entsetzt über diese Untat, organisierte jedoch eine Schlichtungsverhandlung beim Althing. Zur Beilegung des Streits adoptierte er sogar Thráins verwaisten Sohn Höskuldur. Der erwachsene Höskuldur übernahm die Farm Ossbær, erregte jedoch die Eifersucht der Njálssons. Eines Tages überfielen ihn die drei ohne Vorwarnung und stachen ihn in einem Kornfeld nieder.

Zu diesem sinnlosen Gemetzel hatte der diabolische Mörder Valgerdsson die Njálssons angestachelt. Mördur hatte Gunnar stets verabscheut und plante nun die Vernichtung von Njálls Familie. Mördur sah seine Chance gekommen, als die Verhandlungen über eine Geldbuße für den Mord an Höskuldur im Althing scheiterten: Höskuldurs Blutsverwandter Flosi Thördarson aus der Gegend von Skaftafell war mit Njáll so gut wie handelseinig, als Skarphédinn ihn öffentlich durch die Behauptung beleidigte, er betreibe regelmäßig Sodomie mit einem Troll.

Njálls Handlungen an diesem Punkt gehören zu den meistdiskutierten der Saga. Seinen blutrünstigen Söhnen getreu bis in den Tod, erblickte Njáll Flosi mit hundert Mann im Anmarsch auf die Farm. Statt zu kämpfen, befahl er alle ins Haus zurück, was einem Selbstmord gleichkam, da Flosi unverzüglich alles in Brand setzte. Njáll und seine Frau schlugen ein Gnadenangebot aus und starben mit ihren drei Söhnen.