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Snorri Sturluson und die isländischen Sagas

Snorri Sturluson, einer der berühmtesten Sagaschreiber und Politiker Islands, wurde 1179 im westisländischen Hvammur geboren. Ein Feind der Familie, Loftsson von Oddi, bot als versöhnliche Geste an, Snorri zu adoptieren. Oddi war damals die wichtigste Dichterschule und intellektuelles Zentrum des Landes. Mit 21 Jahren kehrte Snorri in seine Heimat zurück. Sein Vater war inzwischen gestorben, seine Mutter hatte das Vermögen verschleudert. Durch die Heirat mit Herdis, Tochter von Bersi dem Wohlhabenden, kam Snorri wieder zu Reichtum und nach dem Tod Bersis zu dessen Godentitel. Mit 28 zog er auf den Großgrundbesitz Reykholt. Er vereinbarte mit dem Besitzer, für ihn und seine Familie zu sorgen, dafür sollte er den Besitz erben. Snorri ließ in Reykholt ein Bad bauen, daß von einer heißen Quelle gespeist wurde. Das kreisrunde Becken gehört zu den wenigen noch erhaltenen Bauwerken aus der Sagazeit.

Die Überreste von Snorris Bad in Reykholt.
Die Überreste von Snorris Bad in Reykholt.

Snorri wurde im Jahr 1215 zum Gesetzessprecher der þingsitzungen gewählt. Danach verbrachte er bis 1220 zwei Jahre am norwegischen Hof. Zu dieser Zeit war König Hakon an der Macht, doch wurde das Land stellvertretend von Herzog Skúli regiert. Er stand kurz davor, die Flotte nach Island zu entsenden, um norwegische Kaufleute vor den Isländern zu schützen und den Machtbereich Norwegens zu vergrößern. Snorri konnte dies verhindern, indem er dem König versprach, seine Machtansprüche in Island zu vertreten und für den Schutz der norwegischen Kaufleute zu sorgen. Snorri wurde so zum Vertrauten des Herzogs und zum königlichen Gefolgsmann. Nach Island zurückgekehrt, wurde er wieder Gesetzessprecher, unternahm jedoch nichts, um die Ansprüche des Königs durchzusetzen. Immerhin konnten die norwegischen Kaufleute aber in Frieden ihren Geschäften nachgehen.

König Hakon war über die ausbleibenden Aktivitäten Snorris mehr als verärgert. Er freundete sich mit Snorris Neffen Sturla an, der ebenfalls zum königlichen Gefolgsmann wurde. Sturla kehrte nach Island zurück und es galang ihm, Snorri seiner Macht zu berauben. Sturla hatte sich viele Feinde in Island gemacht, konnte jedoch nie alle Gegner unterwerfen. Zwei Goden, Gissur und Kolbeinn, versammelten schließlich bewaffnete Männer um sich und in der Schlacht von Örlygsstaðir wurden Sturla, sein Vater, drei seiner Brüder und viele seiner Anhänger getötet.

Statue von Snorri Sturluson in Reykholt.
Statue von Snorri Sturluson in Reykholt.

Zu dieser Zeit befand sich Snorri auf Besuch bei Herzog Skúli. Als er vom Mord an seinen Verwandten erfuhr, wollte er nach Island zurückreisen. Der norwegische König lehnte dies ab, doch Herzog Skúli erlaubte die Reise. Kurze Zeit später zettelte Skúli einen Aufstand gegen den König an und wurde dabei getötet. Der König glaubte an eine Verwicklung Snorris in den Aufstand und befahl Gissur, Snorri nach Norwegen zurückzusenden oder ihn ebenfalls zu töten. Gissur sah die Gelegenheit gekommen, auch den letzten einst mächtigen Vertreter der Sturlungenfamilie aus dem Weg zu schaffen. Er sammelte Männer um sich und zog mit ihnen zum Anwesen Snorris nach Reykholt. In der Nacht des 22. September 1241 wurde Snorri von seinen Gegnern ermordet.

Doch nicht nur als Politiker war Snorri aktiv, er war auch einer der bedeutendsten Dichter Islands. Aus seiner Feder stammt z.B. die Heimskringla, die als norwegische Königssaga nicht nur literarischen, sondern auch historischen Wert hat. Sein wohl berühmtestes Werk ist die Snorra-Edda. Die Snorra-Edda war zugleich eine Niederschrift der germanischen Mythologie und ein Lehrbuch für junge Dichter, eine Einführung in die skaldische Dichtkunst.

Bereits in Norwegen war die Kunst, nach komplizierten Versmaßen und Reimgesetzen zu dichten, weit verbreitet. Auch ein- oder mehrgliedrige poetische Umschreibungen gehörten zum Handwerkszeug der Skalden. Es wurden "heiti" und "kenningar" verwendet. In der altnordischen Dichtung sind "heiti" bildliche Umschreibungen eines Begriffes durch einen anderen, ein Roß wird z.B. oft als "Renner" umschrieben. "Kenningar" sind mehrgliedrige Umschreibungen. Das Meer wird z.B. als Ebene der Schären (Inseln) umschrieben, ein Schiff wird Seepferd genannt. Die beiden Umschreibungen vereinigt ergeben dann als Umschreibung für "Schiff" ein "Perd der Schärenebene".

Aus der Sagazeit sind noch verschiedene Manuskripte erhalten. Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte nach Dänemark und Norwegen gebracht und kehrten erst Anfang der siebziger Jahre nach Island zurück. Das Arni-Magnússon-Institut in Reykjavík ist heute die Heimat der ältesten historischen Dokumente des Landes. Bekannte Sagas sind z.B. die Njálls-Saga, die Laxdoela-Saga und die Egils-Saga.