Alles, was Sie schon immer über Island wissen wollten

Alles, was Sie schon immer über Island wissen wollten

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Nachrichten-Archiv 2009

Icelandair pünktlichste europäische Airline (25.12.09)

Die "Association of European Airlines" hat kürzlich ihren Zwischenbericht zur Pünktlichkeit europäischer Fluglinien für den Zeitraum Januar bis September 2009 veröffentlicht. Dabei belegt die isländische Fluggesellschaft Icelandair in den meisten bewerteten Kategorien einen Spitzenplatz. Laut dem Bericht war die Icelandair im September die pünktlichste Linienfluggesellschaft, außerdem belegt sie den ersten Platz auf Transatlantikrouten von Januar bis September.

Zukunftsmodell Elektro-Autos (19.12.09)

Ólafur Bjarnason, Chef der Verkehrsbetriebe Reykjavik, berichtete kürzlich im Rahmen einer Tagung über die Chancen, die Elektroautos den Isländern bieten könnten. Würde nur die Hälfte der Einwohner Reykjaviks Elektroautos statt Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren nutzen, könnte das Land jährlich 29 Millionen Euro sparen. Während derzeit jährlich etwa 32 Millionen Euro für Benzin und Diesel ausgegeben werden, würde der für die gleiche Fahrleistung benötigte Strom, der in Island mit Erdwärme und Wasserkraft produziert werden kann, nur 3,2 Millionen Euro kosten.
Verschiedene Faktoren könnten dafür sorgen, dass sich in Island Elektroautos schneller durchsetzen, als in anderen Ländern. Die Regierung plant eine Änderung des Steuersystems, die zu einer höheren Besteuerung von Mineralölprodukten führen wird. Aufgrund der Wirtschaftskrise setzen viele Isländer inzwischen auch auf deutlich kleinere Fahrzeuge, die im Stadtverkehr relativ problemlos mit Elektroantrieb eingesetzt werden könnten. So könnte auf günstigen Isländischen Strom zurückgegriffen werden und teure Ölimporte könnten reduziert werden - aufgrund der knappen Devisen ein willkommener Nebeneffekt.

Rekordrezession in Island (14.12.09)

Von Juni bis September fiel das isländische Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zu den Vorjahresmonaten um 7,2 Prozent. Damit ist das Wachstum von rund 3 Jahren in nur einem Jahr verloren gegangen. Trotzdem sehen Experten Grund zur Hoffnung, denn der Rückgang ist schwächer, als von vielen erwartet. Der Wert aller importieren waren sank um 25%, da aufgrund der schwachen Krone importierte Waren vergleichsweise teuer sind und viele Isländer soweit möglich auf heimische Produkte ausweichen. Gleichzeitig stiegen die Exporte in den letzten 12 Monaten um 8,2 Prozent, da isländische Waren im Ausland billiger geworden sind und deshalb mehr nachgefragt werden. Wirtschaftsexperten erwarten für Anfang 2010 die Talsohle in der Entwicklung der isländischen Wirtschaft, danach soll es wieder bergauf gehen.

Kaupthingbank wieder privatisiert (3.12.09)

Die Kaupthing-Bank wurde vor rund einem Jahr im Zuge der Finanzkrise verstaatlicht. Nun wurde das Geldinstitut wieder privatisiert und firmiert künftig unter dem Namen Arion-Bank. Dies teile am Dienstag die für die Umstrukturierung zuständige Kommission mit. Mit den Gläubigern konnte die Übernahme von 87% der neuen Bank für einen Betrag von etwa 360 Millionen Euro vereinbart werden. 13% bleiben zunächst noch im Staatsbesitz. Zu den neuen Aktionären der Arion-Bank gehört u.a. auch die Deutsche Bank.

Geothermie "Sparschwein der Nation" (27.11.09)

Nach Berechnungen der isländischen Energiebehörde haben die Isländer durch die Nutzung geothermaler Energie im Jahr 2008 fast 310 Millionen Euro gespart. Zumindest hätten sie diese Summe zusätzlich ausgeben müssen, wenn statt Erdwäre fossile Energieträger genutzt worden wären. Seit 1970 haben sich die Ersparnisse auf eine Gesmtsumme von etwa 4,8 Milliarden Euro aufsummiert. Gerade in den Zeiten der schweren Wirtschaftskrise und sehr knapper Devisenreserven ist Island in der glücklichen Situation, nur zu einem geringen Teil auf teure Öl- und Gasimporte angewiesen zu sein.

Babyboom in Island (24.11.09)

In diesem Jahr wurden im Landspitali bereits 3.080 Geburten registriert. Im Vorjahr waren es von Januar bis Dezember 3.386, was gegenüber 2007 schon einer Zunahme von 7,8% entsprach. Ende des Jahres dürfte allerdings der Rekord aus dem Vorjahr wieder gebrochen werden. Die Zahl der Geburten hat in den letzten zehn Jahren bereits jeweils im rund 2% pro Jahr zugenommen. Es wird erwartet, dass in diesem Jahr etwa 100 Kinder mehr geboren werden, als 2008. In den letzten Monaten war es im Landspitali wiederholt zu personellen Engpässen in der Geburtsabteilung gekommen, da im Zuge von Sparmaßnahmen die Zahl der angestellten Hebammen reduziert wurde.

deCODE zahlungsunfähig (20.11.09)

Das in den 90er Jahren von Kari Stefansson gegründete Pharma- und Biotechnologieunternehmen deCODE hat Insolvenz angemeldet. Stefansson hat persönlich die Verantwortung für das Scheitern seiner Firma übernommen und angekündigt, deCODE werde an die Investorengruppe Saga Invest verkauft. Damit könnte der Betrieb noch etwa 2 Jahre fortgeführt werden. deCODE machte Schlagzeilen, weil die Firma als erste weltweit ein Monopol auf die kommerzielle Auswertung der Gendaten eines ganzen Landes hatte. Ziel war die Entschlüsselung von Genstrukturen, die Krankheiten begünstigen oder auslösen und darauf aufbauend die Entwicklung von Medikamenten.

Arbeitslosenquote im Oktober gestiegen (17.11.09)

Wie erwartet, ist die Arbeitslosenquote in Island von 7,2% im September auf 7,6% im Oktober gestiegen. Derzeit sind fast 12.700 Isländer ohne Arbeit. Die höchste Arbeitslosigkeit hat der Sudurnesbezirk in Südwestisland zu verzeichnen, dort liegt die Quote bei 12,4%. Im Norwesten des Landes sind dagegen nur 2,2% der Menschen ohne Job. Die Arbeitsvermittlung erwartet im November einen weiteren Anstieg auf etwa 8,1%. Zu Beginn der Krise war den Isländern von Experten aus dem Ausland noch eine Arbeitslosigkeit von 20% vorhergesagt worden, doch der bisher höchste Stand wurde mit "nur" 9,1% im März 2009 erreicht.

Gesundheitamt empfiehlt Impfung gegen Schweinegrippe (13.11.09)

Der Chefepidemiologe des isländischen Gesundheitsamtes Haraldur Briem hat eine Empfehlung veröffentlicht, nach der sich alle Isländer, die älter als 6 Monate sind, gegen die Schweinegrippe impfen lassen sollen. Bisher wurden rund 50.000 Isländer geimpft, die besonderen Berufs- oder Risikogruppen angehören. Ab kommenden Montag können auch alle anderen Isländer einen Termin für die Impfung vereinbaren. Briem erklärte, laut aktueller Statistik hätten über 70% der Infizierten, deren Zustand als ernst bezeichnet werden kann, Vorerkrankungen, rund 30% der Erkrankten mit schweren verläufen gehören aber keiner Risikogruppe an.
Bis Ende Oktober wurden in Island bereits mehr als 6.600 Infektionsfälle registriert, bei über 100 Patienten verlief die Erkrankung so schwer, dass sie stationär behandelt werden mussten. Eine schwerbehinderte 18 Jahre alte Frau starb im Oktober.

Kooperation bei Kreuzfahrten (10.11.09)

Kreuzfahrtschiff in Akureyri
MS Amadea in Akureyri

Der Nordatlantik soll als Kreuzfahrtziel besser auf den internationalen Reisemärkten positioniert werden. Dieses Ziel versuchen die fünf Partner Neufundland, Grönland, Island, die Färöerinseln und die Orkneyinseln zukünftig unter dem Slogan "Cruise Islands of the North Atlantic – Take Life to a Higher Latitude" gemeinsam zu erreichen. Der Nordatlantik soll nicht zuletzt wegen seiner einmaligen Landschaften neben den bisher wichtigen Kreuzfahrtgebieten Ostsee, Mittelmeer und Karibik als vierte Region etabliert werden. Die fünf Partner wollen vor allem Kreuzfahrtunternehmen im Marketing und Vetrieb unterstützen. Ein eigens eingerichteter Internetauftritt ermöglicht Buchungen und den Download von Informationsmaterial. Besonders der deutsche Markt ist für die Allianz interessant, zeigten doch die Kreuzfahrtbuchungen in den letzten Jahren einen rasanten Anstieg von teilweise weit über 10% pro Jahr. Fachleute gehen sogar davon aus, das Deutschland in den nächsten Jahren Großbritannien als "Kreuzfahrtnation" von Platz 1 in Europa verdrängen wird.

Zentralbank senkt Zinssatz (6.11.09)

Die Zentralbank von Island hat den Leitzinssatz von 12% auf 11% gesenkt und damit die Geldpolitik weiter gelockert. Fachleute sind geteilter Meinung, was diesen Schritt betrifft. Während der Internationale Währungsfonds (IWF) Fortschritte bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen und der Restrukturierung des Bankenwesens sieht, die diesen Zinssenkungsschritt ermöglicht haben, warnen andere Experten vor den Gefahren der nach wie vor hohen Inflation. Die Zentralbank hatte vor einigen Tagen bereits angekündigt, dass die Kapitalverkehrskontrollen schrittweise gelockert werden sollen.
Island gewinnt an den Finanzmärkten langsam wieder an Vertrauen. So wurde vor kurzem ein Kredit über 125 Millionen Euro von Polen gewährt. Er hat eine Laufzeit von 12 Jahren bei einem Zinssatz von 2% bis zum Jahr 2015 und 1,3% für die restliche Laufzeit. Die Auszahlung kann erfolgen, wenn der IWF das von der isländischen Regierung erarbeitete Stabilitätsprogramm positiv bewertet hat und die weitere Entwicklung bezüglich der Abwicklung der IceSave-Konten geklärt ist. Erst dann können auch weitere Kredite des IWF und der skandinavischen Länder ausgezahlt werden.

Aus für McDonald's in Island (31.10.09)

Ein neuer Tiefschlag erschüttert das wirtschaftlich gebeutelte Island bis ins Mark - am 1. November schließen die drei letzten verbliebenen McDonald's Restaurants in Reykjavik ihre Türen. Offiziell nennt der Franchise-Nehmer Magnus Ogmundsson die extrem gestiegenen Preise für die Burgerzutaten als Grund. Laut Vorgaben von McDonald's müssen z.B. Fleisch und Zwiebeln aus Deutschland eingeführt werden, um einen einheitlichen Geschmacks- und Qualiätsstandard zu sichern. Doch durch den drastischen Wertverfall der Krone kostet inzwischen ein Kilo Zwiebeln aus Deutschland fast so viel, wie eine Flasche guter Whisky. Die Burger sind damit für die meisten Isländer nicht mehr bezahlbar und deshalb hat Ogmundsson das Aus beschlossen. Kümmern wird es die Mehrzahl der Isländer allerdings kaum, denn das große Geschäft hat McDonald's auf der Insel noch nie gemacht und so kommt womöglich dem Betreiber die Wechselkurssituation gerade recht, um aus dem Franchisevertrag aussteigen zu können. Magnus Ogmundsson hat schon seit einiger Zeit sehr konkrete Pläne zur Eröffnung einer neuen Schnellimbißkette in den alten Räumen, die im Wesentlichen mit einheimischen und damit kostengünstigen Rohstoffen auskommt und wahrscheinlich ein breiteres Publikum anspricht.

Wann kommt der nächste Vulkanausbruch? (25.10.09)

Nach Meinung des isländischen Geophysikers Páll Einarsson ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass in nicht ferner Zukunft die Vulkane Hekla und Grimsvötn ausbrechen. Die unter der Eiskappe des Myrdalsjökull liegende Katla hingegen zeigt seit 2005 keine Anzeichen für einen bevorstehenden Ausbruch, doch auf das Askjagebiet im Hochland sollte man nach Meinung von Einarsson ein wachsames Auge haben. Die Hekla betreffend ist der Geophysiker der Auffassung, man könne sich nicht darauf verlassen, dass sie wie in den vergangenen Jahrzehnten etwa alle 10 Jahre ausbricht. Auch die Katla hätte bereits in den sechziger Jahren ausbrechen müssen, wenn sie ihre vorher mehrere Jarhunderte andauernden Ausbruchszyklen fortgesetzt hätte.

Icesave erneut Thema im Parlament (20.10.09)

Die isländische Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir hat dem Parlament am Montag die Übereinkunft mit den Hauptgläubigern Großbritanien und den Niederlanden vorgelegt. Es gilt als sicher, dass der Vertrag vom Parlament abgesegnet wird. Er sieht vor, dass die isländischen Steuerzahler bis 2024 rund 3,8 Milliarden Euro an die Staatskassen in London und Den Haag überweisen. Die Schulden haben sich im Zuge der Finanzkrise aufgetürmt, als beim Kollaps der isländischen Banken die Milliardeneinlagen britischer und niederländischer Sparer zunächst von den dortigen Regierungen garantiert wurden. Island muss nun diese Einlagen zurück zahlen und viele Bürger laufen Sturm gegen die Belastung, die auf sie zukommt. Sie empfinden es als ungerecht, dass sie für die Fehler und Habgier der Manager der inzwischen verstaatlichten Banken gerade stehen sollen. Andererseits ist eine Einigung zwischen Island und den beiden Gläubigerländern Voraussetzung für die Freigabe von dringend benötigten Krediten durch den Internationalen Währungsfonds - diese werden durch Großbritannien und die Niederlande bisher blockiert.

Arbeitnehmerabwanderung und sinkende Arbeitslosigkeit (29.10.09)

In den ersten neun Monaten dieses Jahres haben insgesamt über 6.700 Menschen Island auf Dauer verlassen, knapp die Hälfte davon waren Isländer. Bis Ende des Jahres dürfte die Zahl der Auswanderer die 9.000 übersteigen. Damit würde die Zahl der Auswanderer in der gleichen Größenordnung liegen, wie im Jahr 2008. Der größte Teil isländischen Emigranten hat in Dänemark, Norwegen und Schweden eine neue Heimat gefunden.
Die Auswanderung hat auch positive Auswirkungen auf den isländischen Arbeitsmarkt. Lag die Arbeitslosenquote im August noch bei 7,7%, sank sie im September auf 7,2%. Allerdings wird allgemein erwartet, dass die Zahl der Arbeitslosen in den nächsten Monaten jeweils um 1% steigt, abhängig natürlich von der weiteren Entwicklung der isländischen Wirtschaft. Gesucht werden Arbeitskräfte derzeit vor allem im Bereich Softwareentwicklung und im gesamten Finanzbereich.
Erstaunlich ist in diesem Zusammenhang ein gewisser Wertewandel in der Gesellschaft, der ebenfalls zum Sinken der Arbeitslosenzahl im September beigetragen haben dürfte. Galt es bisher als gesellschaftlich nicht akzeptabel, arbeitslos zu sein, ist seit einigen Monaten zu beobachten, dass Arbeitslose mitunter angebotene Stellen nicht annehmen - speziell Büro- und Verkäuferjobs werden immer häufiger abgelehnt. Die Verantwortlichen des Arbeitsamtes haben im Sommer immer öfter beobachtet, dass Arbeitslose offensichtlich die warme Jahreszeit genießen wollten und von der staatlichen Unterstützung lebten, um jetzt im Herbst wieder einen Job anzunehmen.

Papageitaucher immer seltener (15.10.09)

Islands wohl bekannteste Vogelart, der Papageitaucher, wird immer seltener. Zwar gibt es nach wie vor die weltweit größten Kolonien der Tiere auf den Westmännerinseln und noch leben rund 3 Millionen der Tiere an Islands küsten, doch seit inzwischen 5 Jahren ist der Bestand rückläufig. Die Behörden haben im vergangenen Sommer auf diese Entwicklung reagiert und die Fangsaison auf 5 Tage gekürzt. Statt der sonst üblichen 100.000 Vögel, die als Delikatesse gelten, durften nur 3.000 gefangen werden. Grund für den Rückgang des Bestandes ist allerdings nicht der Fang der Vögel, sondern der Klimawandel. Die Hauptnahrung der Papageitaucher besteht aus Sprotten, Seeaalen und Heringen und diese Fischarten werden vor der Süd- und Westküste immer seltener. Sie ziehen wegen der Erwärmung des Meerwassers weiter nach Norden und die Papageitaucher müssen deutlich weitere Strecken fliegen, um genügend Nahrung für ihre Jungen zu finden. Die Jungvögel wachsen wegen der selteneren Fütterung langsamer und sind schwächer, wenn sie das Nest verlassen. Dies schmälter ihre Überlebenschancen im ersten Lebensjahr deutlich. Ein Trost für die Jäger: Schneehühner profitieren vom wärmeren Klima, ich Bestand hat sich um 25% erhöht.

80% weniger Herzinfarkte (10.10.09)

Seit dem Jahr 1980 ist die Zahl der Isländer, die an einem Herzinfarkt sterben, um 80% zurück gegangen. Thor Aspelund von der Isländischen Herzgesellschaft hat Daten aus verschiedenen Quellen ausgewertet, um die Ursachen für den Rückgang zu untersuchen. Zusammenfassend stellt er fest, dass vor allem die Meidung von Risikofaktoren der erfreulichen Entwicklung zugrunde liegt. Seinen Berechnungen zufolge gehen drei Viertel des Rückgangs auf geänderte Lebensgewohnheiten der Bevölkerung zurück, ein Viertel auf die bessere medizinische Versorgung bei Herzkrankheiten. Hauptfaktoren der Entwicklung sind nach Aspelunds Auswertung die Reduktion der Cholesterinwerte, der Verzicht auf das Rauchen und die Senkung des systolischen Blutdrucks. Ergebnisse aus Norwegen bestätigen die isländische Datenanalyse.

Lebensstandard trotz Wirtschaftskrise spitze (6.10.09)

Im kürzlich veröffentlichten alljährlichen UN-Bericht zum Lebensstandard in den einzelnen Mitgliedsländern belegt Island trotz der Wirtschaftskrise weiterhin einen Spitzenplatz. Nur in Norwegen und Australien lebt es sich nach der aktuellen Statistik besser, als in Island. Die UN-Liste umfasst insgesamt 182 Länder. Japan liegt in diesem Jahr auf Platz 10, die USA auf Platz 13, Deutschland auf Platz 22 und damit hinter Irland, Frankreich, Österreich, Spanien und Italien. Das ärmste Land der Welt ist die Demokratische Republik Kongo. Für den UN-Bericht werden unter anderem Daten zum Einkommen, zur Bildung und zur Lebenserwartung aus dem Jahr 2007 als Grundlage ausgewertet - insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass Island noch einen Spitzenplatz belegt, denn im Jahr 2007 war die Krise noch weit entfernt.

Koalitionskrach in Island (1.10.09)

Ein handfester Koalitionskrach zwischen den Sozialdemokraten und den Grünen in Island könnte zu einem vorzeitigen Ende der Koalition führen. Streitthema sind Nachbesserungen bei den Bedingungen über die Rückzahlung geplatzter Konten britischer und niederländischer Bankkunden. Bereits am Mittwoch trat der Grüne Gesundheitsminister Ögmundur Jonasson deshalb zurück. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir hat den Fortbestand der Zusammenarbeit mit den Grünen von der Geschlossenheit der Regierung in der Frage der sogenannten "Icesave"-Konten abhängig gemacht. Das Icesave-Gesetz war im Sommer verabschiedet worden und verpflichtet Island, britische und niederländische Sparer schadlos zu halten. Innerhalb von 15 Jahren muss Island 3,8 Milliarden Euro nach Großbritannien und in die Niederlande überweisen. Doch damit geben sich Briten und Holländer nicht zufrieden und fordern von Island Nachbesserungen im Gesetz. Insbesondere Garantien über das Jahr 2024 hinaus werden von den Grünen allerdings nicht akzeptiert. Eine Entscheidung über die Gesetzesänderung soll noch in dieser Woche im Parlament herbeigeführt werden.

Walfangsaison beendet (27.9.09)

Die aus Sicht der Firma Hvalur erfolgreiche Walfangsaison geht in Island in diesen Tagen zu Ende. Einar Gudfinnsson, der bis zum Sturz der Regierung im Frühjahr 2009 Fischereiminister war, hatte kurz vor Ende seiner Amtszeit die Fangquote für Finnwale noch auf 150 und für Zwergwale auf 100 Tiere erhöht. Insbesondere gegen den Fang der Finnwale, deren Bestand weltweit auf nur noch 30.000 Tiere geschätzt wird, gab es seinerzeit scharfe internationale Proteste. Unbeeindruckt davon hat die Firma Hvalur während der Fangsaison von Juni bis Mitte September mit ihren beiden Schiffen 125 Finnwale erlegt. Insgesamt rund 3.000 Tonnen Walfleisch und Speck warten derzeit in Kühlhäusern auf den Verkauf. Die Firma Hvalur rechnet fest damit, in Japan Abnehmer zu finden, würde damit allerdings gegen Vorgaben der Internationalen Walfangkommission verstoßen - der Handel mit Walprodukten ist seit 1986 verboten. Zudem war das Interesse an isländischem Walfleisch in Japan in den letzten Jahren praktisch gleich Null. Die neue isländische Regierung hat das Thema Walfang bisher nicht aufgegriffen, obwohl der Walfang einen EU-Beitritt unmöglich machen könnte.

Mehrheit gegen EU Beitritt (19.9.09)

Während vor einem Jahr noch gut zwei Drittel der Isländer für einen EU-Beitritt waren, hat sich das Blatt völlig gewendet. Nach kürzlich veröffentlichten Zahlen einer Umfrage, die vom isländischen Industrieverband in Auftrag gegen wurde, sind heute 61,5% der Wähler gegen einen EU-Beitritt und nur 38,5% dafür. Die Skepsis der Isländer war seit dem Jahr 2000 nicht mehr so groß. Politikwissenschaftler vermuten, dass die starre Haltung Großbritanniens und der Niederlande in der Frage der Rückzahlung von Spareinlagen eine wesentliche Rolle bei Meinungsänderung der Bevölkerung spielt - die isländischen Steuerzahler müssen nun die Rückzahlung der Einlagen an britische und niederländische Sparer finanzieren und werden damit über Jahrzehnte belastet.

Mehr deutsche Touristen in Island (15.9.09)

Die Zahl der deutschen Touristen in Island ist von Januar bis August 2009 gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Insgesamt wurden bis Ende August über 42.000 Besucher aus Deutschland registriert, im Jahr 2008 kamen im gleichen Zeitraum nur knapp 36.000 Deutsche nach Island. Der Anstieg liegt damit bei mehr als 19%. Die meisten deutschen Touristen kamen im August nach Island, die Zahl lag bei über 14.000 - gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um satte 35%! Der Trend wird sich aller Voraussicht nach bis zum Jahresende fortsetzen und noch im September dürfte die Gesamtzahl deutscher Besucher aus dem Jahr 2008 (rund 45.000) überstiegen werden, wobei die mit Kreuzfahrtschiffen angereisten Gäste noch nicht einmal berücksichtigt sind.

Seeteufel gewinnt an Bedeutung (11.9.09)

In einem Schönheitswettbewerb würde der Seeteufel zwar sicher keinen Preis gewinnen, aber für die isländische Fischereiwirtschaft spielt er trotzdem ein zunehmend wichtige Rolle. Wurde Seeteufel in früheren Zeiten vor allem in Hummerkörben als unerwünschter Beifang an Land gezogen und wieder über Bord geworfen, ist er heute als einer der teuersten Speisefische. Dank der Erwärmung der Meere vor der Küste Islands ist er seit einigen Jahren auch vor der Westküste und Nordküste Islands anzutreffen und seit dem Jahr 2004 wird eine jährliche Fangquote festgelegt. Sie liegt in einer Größenordnung von jährlich 1.500 bis 3.000 Tonnen und scheint auch notwendig zu sein, da zunehmend kleine und noch nicht geschlechtsreife Tiere gefangen werden - dies könnte ohne Quotenregelung schnell zu einer Überfischung führen. Die meisten Seeteufel wurden in den letzten Jahren vor der Halbinsel Snaefellsnes gefangen.

OECD empfiehlt Euro-Einführung (4.9.09)

Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) hat Island dringend empfohlen, den Euro schnellstmöglich einzuführen und weitere Reformen des Finanzsystems nahegelegt. Insbesondere fordert die OECD eine strengere Kontrolle des Finanzwesens und eine deutliche Verkleinerung des Bankensystems in Island. Während es in den vergangenen Monaten immer wieder Stimmen gab, die eine Einführung des Euro ohne EU-Mitgliedschaft forderten, drängt die OECD auf einen EU-Beitritt als ersten Schritt. Nach Meinung der OECD führt weder daran, noch an der Euro-Einführung ein Weg vorbei, da die Krone als internationale Währung seit dem Crash vor einem Jahr unwiderbringlich zerstört ist. EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn hat unterdessen angekündigt, daß der Regierung in Reykjavik in den nächsten Tagen im Rahmen der Beitrittsprozedur ein umfangreicher Fragenkatalog vorgelegt wird.

Banken zahlen weitere Schulden zurück (20.8.09)

Nachdem im Juni bereits die Rückzahlung der Schulden in Höhe von 300 Millionen Euro an rund 34.000 deutsche Sparer begonnen hat, dürfen nun auch Anleger aus Großbritannien und den Niederlanden hoffen. Der Haushaltsausschuss des isländischen Parlaments hat am Samstag einer Gesetzesvorlage zugestimmt, die eine Rückzahlung auch an Briten und Holländer über einen Zeitraum von 15 Jahren vorsieht. Das Parlament muss dem Gesetz noch zustimmen, doch angesichts der Tatsache, dass von einer Rückzahlung der Schulden der EU-Beitritt abhängt und ein IWF Kredit für Island an entsprechende Auflagen geknüpft ist, gilt die Zustimmung als fast sicher. Im Gegensatz zu Anlegern, die ihr Geld bei anderen Banken in Europa und den USA angelegt haben, könnten also die Kunden der isländischen Banken mit einem blauen Auge davon kommen.

"Jungle Drum" weiter Sommerhit (10.8.09)

Seit inzwischen vier Wochen hält die isländische Sängerin Emilíana Torrini mit ihrem Song "Jungle Drum" den ersten Platz in den deutschen Single Charts. Sie schlägt damit derzeit weltbekannte Stars wie Beyoncé Knowles, Lady Ga Ga and The Black Eyed Peas aus dem Rennen. Auf der weltweiten Liste, die Verkaufszahlen aus 65 Ländern berücksichtigt, liegt der Song derzeit auf Platz 25 und scheint weiter aufzusteigen.

51 Fälle von Schweinegippe (31.7.09)

In Island wurden bisher insgesamt 51 Fälle von Schweinegrippe diagnostiziert. Die Gesundheitsbehörden forderten die Isländer auf, bei grippeähnlichen Symptomen einige Tage daheim zu bleiben und den Kontakt zu andere Menschen möglichst zu meiden. Obwohl der Infektion meist einen milden Verlauf nimmt, raten die Behörden allgemein zur Vorsicht, da es bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Vorerkrankungen zu einem deutlichen schwereren Verlauf der Krankheit kommen kann. Die meisten Fälle wurden bisher im Südwesten Islands, insbesondere in der Haupstadtregion, diagnostiziert.

Parlament stimmt für Beitrittsgesuch (17.7.09)

Nach tagelangen Diskussionen hat das isländische Parlament den Weg für einen EU-Aufnahmeantrag frei gemacht. Von den 63 Abgeordneten stimmten am Donnerstag 33 dafür, die EU-Mitgliedschaft zu beantragen. Wie das isländische Außenministerium mitteilte, wurde das Beitrittsgesuch bereits an die EU übermittelt. Fachleute erwarten relativ rasch Ergebnisse und rechnen mit der Aufnahme Islands zwischen 2011 und 2013.
Unterdessen regt sich in Bayern Widerstand. Auf Ihrem Parteitag in Nürnberg sprach sich die CSU gegen eine Erweiterung der EU und die Aufnahme Islands aus. Nach Meinung der CSU soll die EU nicht den Retter für Island spielen, das nach wie vor in einer tiefen Wirtschaftskrise steckt - so zumindest die offizielle Verlautbarung. Da sich die CSU derzeit im Bundestagswahlkampf positionieren muss, könnte sich die Einstellung allerdings nach den Wahlen im Herbst ändern...

Antrag auf EU-Beitritt noch im Juli (10.7.09)

Die sozialdemokratische Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir hat angekündigt, am 27. Juli den Beitritt Islands zur EU zu beantragen. An diesem Tag findet in Brüssel ein Treffen der EU Außenminister statt. Voraussetzung dafür ist allerdings die Zustimmung des Parlaments, die Entscheidung soll noch am Wochenende oder Anfang kommender Woche fallen. Unter den Abgeordneten wird derzeit noch heftig diskutiert, in welcher Form eine Volksabstimmung über den EU-Beitritt stattfinden soll.

Erdbeben in Reykjavik (30.6.09)

Am 25. Juni gegen 17:20 Uhr erschütterte eine Erdbeben der Stärke 4 die isländische Hauptstadtregion. Bereits um 16:30 Uhr bebte die Erde im Gebiet von Krysuvik auf der Halbinsel Reykjanes. Während die Bewohner der Halbinsel die Beben kaum spürten, waren sie in Reykjavik deutlich bemerkbar. Das Epizentrum lag nahe des Sees Kleifarvatn. Verletzte waren nicht zu beklagen, es gab auch keine Berichte über Sachschäden.

Dorschbestand gefährdet (20.6.09)

Hiobsbotschaft für Island - in einer kürzlich veröffentlichten Studie warnen Experten vor einem Zusammenbruch der atlantischen Dorschbestände. Und das zu einem Zeitpunkt, wo im krisengebeutelten Island die Fischereiwirtschaft wieder eine zunehmend wichtige Rolle spielt und dem Land die so dringend benötigten Devisen und Exporteinnahmen bringt. Nach Meinung der Fachleute könnte vor allem das Abfischen der Bestände in flachen Gewässern den Bestand gefährden. Das isländische Fischereiministerium will die Studie überprüfen und gegebenenfalls die im Januar erhöhte Fangquote für Dorsch noch einmal überdenken. Sie ist derzeit auf 160.000 Tonnen festgelegt.

Leitzins gesenkt (12.6.09)

Die Isländische Notenbank hat einen weiteren Schritt in Richtung niedrigerer Zinsen unternommen. Der Leitzins wurde kürzlich von 13 auf 12 Prozent gesenkt, ebenso der Tagesgeldsatz. Alle anderen Zinssätze bleiben unverändert. Anfang des Jahres lag der Leitzins mit 18 Prozent auf Rekordniveau, seit dem Personalwechsel an der Spitze der Notenbank wurden die Zinsen bereits dreimal gesenkt. Die Notenbank wird derzeit übergangsweise vom norwegischen Unternehmensberater Svein Harald Öygard geleitet.

Walfangsaison gestartet (2.6.09)

In den vergangenen Tagen begann in Island eine neue Walfangsaison. Trotz internationaler Proteste wurde die Jagd auf Zwergwale eröffnet. Für dieses Jahr ist eine Quote von 100 Zwergwalen zum Abschuss freigegeben, etwa 50% des Walfleisches sollen nach Japan verkauft werden. Die zur Jagd freigegebenen Gebiete liegen in diesem Jahr weiter vor der Küste, um direkte Konflikte mit den Anbietern von Walbeobachtungstouren zu vermeiden. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass gerade in Restaurants, die Walfleisch auf der Speisekarte haben und vorwiegend von Touristen besucht werden, besonders viel Walfleisch verkauft wird.

Icelandair bleibt Isländisch (23.5.09)

Die Finanzkrise hat viele Zweige der isländischen Wirtschaft schwer getroffen. Und obwohl Islandreisen heute günstiger als vor einem Jahr sind und zumindest während der zurückliegenden Wintermonate mehr Touristen nach Island gekommen sind, als sonst im Winter, hat auch die Fluglinie Icelandair mit den Folgen der Krise zu kämpfen. Bereits im Herbst letzten Jahres witterten ausländische Investoren ein gutes Geschäft und boten isländischen Investmentgruppen den Kauf von Anteilen an. Diese weigerten sich allerdings, ihre Anteile an ausländische Investoren zu verkaufen, da sie in icelandair einen Teil der isländischen Unabhängigkeit sahen. Vor wenigen Tagen übernahm nun die verstaatlichte Bank Islandsbanki 39% der Anteile, die bisher von der Investorengruppe Máttur & Naust gehalten wurden. Damit befinden sich knapp 47% der Icelandair-Aktien im Besitz der staatlichen Bank. Waren die Anteile Anfang 2008 noch 60 Millionen Euro wert, sank ihr Wert bis heute auf nur noch 10 Millionen Euro.

Regierungsprogramm steht (18.5.09)

Die isländische Premierministerin Jóhanna Sigurdardóttir (Sozialdemokraten) und Finanzminister Steingrímur J. Sigfússon (Grüne) haben das Regierungsprogramm für die Fortsetzung der Koalition präsentiert. Zentraler Punkt des Programms ist die Sanierung des Staatshaushaltes mit einem ausgeglichenen Haushalt bis zum Jahr 2013. Über den EU-Beitritt wurde keine Einigung erzielt, es bleibt bei der Übereinkunft, die Frage der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen im Parlament entscheiden zu lassen und ggf. eine Volksabstimmung über den Beitritt durchzuführen. Die Abstimmung im Parlament über die Aufnahme von Beitrittsverhandlugen soll bereits im Sommer stattfinden. Weitere wichtige Punkte der Regierungsarbeit: die Zahl der Ministerien wird von 12 auf 9 reduziert, es wird ein Paket von 10 Maßnahmen zur Schaffung von Arbeitsplätzen ausgearbeitet, es wird ein Regionalplan zur Förderung der Industrie aufgelegt und die Regelungen im Bereich der Fischereiwirtschaft sollen überarbeitet werden.

Rekordniederschläge im April (11.5.09)

Die aktuellen Daten des Meteorologischen Instituts für den Monat April weißen einige Rekordwerte auf. In vielen Regionen Südislands fielen ungewöhnlich große Niederschlagsmengen. Auf den Westmännerinseln war die Niederschlagsmenge seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 nie höher, in Reykjavik lag die Niederschglagsmenge immerhin gut 70% über dem langjährigen Durchschnittswert. In Akureyri hingegen fielen 20% weniger Niederschläge als im Durchschnitt. Die Temperatur lag im April in Reykjavik 2,1 Grad über dem Durchschnittwert, in Akureyri um 1,9 Grad.

EU-Beitrittsgesuch angekündigt (7.5.09)

Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Jóhanna Sugurdardóttir kündigte zwei Wochen nach dem Wahlsieg der Linksparteien an, sie werde im Parlament um Zustimmung für ein Beitrittsgesuch an die EU bitten. Zwar ist der zukünftige Koalitionspartner, die Grünen, bisher gegen einen EU-Beitritt gewesen, trotzdem gilt eine Mehrheit im Parlament als sicher. Teile der Opposition haben bereits angekündigt, dem Antrag im Parlament zuzustimmen. Die Grünen und die Sozialdemokraten hatten sich im Rahmen ihrer Koalitionsgespräche darauf geeinigt, die Entscheidung dem Parlament zu überlassen und jeweils nach der eigenen Überzeugung und nicht auf Grundlage einer vorherigen Koalitionsvereinbarung zu stimmen.

Absolute Mehrheit für Linksparteien (26.4.09)

Johanna Sigurdardottir
Johanna Sigurdardottir

Bei den gestrigen Parlamentswahlen in Island haben die Linksparteien eine absolute Mehrheit erreicht. Die Sozialdemokraten kamen nach Auszählung aller Stimmen auf 29,8%, die Grünen erreichten 21,7%. Damit geht die seit einigen Wochen amtierende Übergangsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen unter Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir als Sieger aus den vorgezogenen Neuwahlen hervor. Die Vorgängerregierung unter Geir Haarde war Ende Januar nach wochenlangen Protesten zurückgetreten und wird von den Isländern für die schwere Finanzkrise und den drohenden Staatsbankrott Islands mitverantwortlich gemacht. Haardes Partei, die Konservativen, verloren 12,9% und erreichten nur noch 23,7% der Wählerstimmen. Die Fortschrittspartei erreichte 14,8% und die erstmals im Parlament vertretene "Bürgerbewegung" kommt aus dem Stand auf 7,2% der Stimmen.
Erklärtes Ziel von Johanna Sigurdardottir ist der schnellstmögliche Beitritt zur Europäischen Union und die Einführung der Euro in Island. Der bisherige Koaltionspartner in der Übergangsregierung hatte sich gegen einen Beitritt zur EU ausgesprochen. Ob Sigurdardottir ihr Ziel erreichen kann, wird also maßgeblich von den Vereinbarungen im neuen Koalitionsvertrag abhängen, denn mit der Unterstützung der Konservativen kann sie in diesem Punkt sicher nicht rechnen. Sowohl die Sozialdemokraten, als auch die Grünen hatten sich aber bereits vor den Wahlen dafür ausgesprochen, eine Fortsetzung der Koalition anzustreben.

Tunneldurchstich geschafft (17.4.09)

Mit einer Verzögerung von rund 6 Monaten wurde am gestrigen Donnerstag der Durchstich im neuen Straßentunnel von Ólafsfjördur nach Siglufjördur geschaffen. Voraussichtlich im Juni 2010 soll der Tunnel für den Verkehr geöffnet werden. Bisher ist Siglufjördur vor allem im Winter oft nur schwer erreichbar. Die 62km lange Straßenverbindung über den Lágheidi-Pass muss im Winter häufig wegen Schneeverwehungen gesperrt werden und dann ist Siglufjördur nur über die Küstenstraße Nr. 76 erreichbar. Nach Fertigstellung des Tunnels verkürzt sich die Fahrtstrecke zwischen Ólafsfjördur und Siglufjördur auf 15km und die Verbindung nach Akureyri, der "Hauptstadt" Nordislands, ist auch im Winter gesichert. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei mehr als 60 Millionen Euro.

Kulturzentrum wird fertig gebaut (3.4.09)

Wochenlang standen die Bauarbeiten auf einer der größten isländischen Baustellen still, inzwischen herrscht wieder reger Betrieb. Vor einigen Wochen wurde die Entscheidung getroffen, das Nationale Konzert- und Konferenzzentrum trotz der angespannten finanziellen Lage der Stadt Reykjavik und des isländischen Staates fertig zu stellen. Die längerfristige Einstellung der Bauarbeiten und eine Wiederaufnahme bei einer besseren finanziellen Lage hätte nicht nur hunderte Arbeitsplätze im Baugewerbe gekostet, sondern würde auch zu geschätzten Mehrkosten von rund 40 Millionen Euro führen. Durch die Verzögerung in den Wintermonaten wird allerdings der geplante Fertigstellungstermin Ende 2009 nicht einzuhalten sein.

Die Krisengewinner (28.3.09)

Während viele Wirtschaftszweige in Island durch die Finanzkrise schwer in Mitleidenschfat gezogen wurden und die Arbeitslosenquote in den nächsten Wochen bis auf 9,5% steigen könnte, gibt es auch Gewinner in der Krise. Fischfang, Agrarwirtschaft und Tourismus haben wieder deutlich an Bedeutung gewonnen und stärken die Rolle der Realwirtschaft.
HB Grandi, einer der größten Fischereibetriebe in Island, rechnet seit langer Zeit alle Geschäfte in Euro ab. Während der zurückliegenden Boomjahre waren die Gewinne in Kronen zwar kleiner, als es bei Abrechung der Geschäfte in der isländischen Währung der Fall gewesen wäre, aber in Zeiten der Krise steht HB Grandi gut da. Der von HB Grandi exportierte Fisch wird in dringend benötigten harten Devisen bezahlt und die Firma gehört inzwischen zu den wichtigsten Arbeitgebern im Hafen von Reykjavik.
Auch die Landwirtschaft profitiert von der Krise. Durch den Devisenmangel ist es für Island teuer geworden, Lebensmittel im Ausland zu kaufen und die Nachfrage nach einheimischen Podukten steigt. Umgekehrt sind Reisen nach Island dank der günstigeren Wechselkurse billiger geworden und vor allem in den zurückliegenden Wintermonaten war die Nachfrage nach Städtereisen ungewöhnlich groß.

EU-Mehrheit kippt (21.3.09)

Waren im Herbst vergangenen Jahres angesichts der Finanzkrise noch weit mehr als 70% der Isländer für einen EU-Beitritt, ist die Zustimmung zwischenzeitlich wieder auf unter 50% gesunken. Auch die rot-grüne Übergangsregierung ist in der Frage gespalten. Während die Sozialdemokraten sich weiterhin für einen Beitritt Islands zur EU aussprechen, sind die Grünen dagegen. Mit Interesse wird der Bericht einer interdisziplinären Arbeitsgruppe über Vor- und Nachteile eines EU-Beitrittes erwartet. Er soll Mitte April verfügbar sein. Die größten Bedenken bestehen bei den Isländern hinsichtlich der Fischereiwirtschaft, denn eine Öffnung der isländischen Gewässer für EU-Fangflotten würde die wirtschaftliche Krise in Island verschärfen. EU-Erweiterungskommissar Rehn hat die Aufnahme Islands in die EU bis 2011 in Aussicht gestellt, wenn ein Antrag nach den isländischen Parlamentswahlen im Frühjahr erfolgt.

Weitere Bank verstaatlicht (13.3.09)

Die schlechten Nachrichten aus der isländischen Wirtschaft nehmen kein Ende. Vor wenigen Tagen wurde mit Straumur eine weitere große Bank verstaatlicht, während gleichzeitig die Inflationsrate auf rund 20% gestiegen ist. Straumur war vor dem Beginn der Krise die viertgrößte Bank des Landes und die Bankenaufsicht teilte mit, sie werde die Kontrolle über die Investbank übernehmen. Der Schuldenberg, den die maroden Banken dem isländischen Steuerzahler hinterlassen, ist gigantisch. Experten sprechen vom zehnfachen des jährlichen isländischen Bruttoinlandsproduktes. Alleine die Verluste der Straumurgruppe belaufen sich für das Jahr 2008 auf über 700 Millionen Euro.
Ob der neue Chef der Zentralbank, der Norweger Svein Harald Øygard, Island vor dem Bankrott retten kan, bleibt fraglich. Er steht vor der Mammutaufgabe, das zusammengebrochene Finanzsystem zu sanieren, das Vertrauen in die isländische Währung wiederherstellen und die verstaatlichten Banken wieder auf Kurs zu bringen.

Krone stabilisiert sich (27.2.09)

Nach Monaten des Kursverfalls scheint sich der Kurs der isländischen Krone wieder deutlich zu strabilisieren. Aktuell kostet ein Euro rund 143 Isländische Kronen. Noch im Januar mussten 285 Isländische Kronen für einen Euro bezahlt werden. Damit hat sich der Kurs innerhalb weniger Wochen wieder an das Wechselkursniveau vor der Finanzkrise angenähert. Analysten sehen darin eine direkte Auswirkung der Stabilisierungsmaßnahmen, die die Regierung mit Unterstützung des Internationalen Währungsfonds initiiert hat. Das Preisniveau steigt damit für Touristen wieder deutlich an, zumal viele Hotels und andere Leistungsträger in den vergangenen Monaten die Kronenpreise deutlich angehoben, aber bisher noch nicht wieder gesenkt haben. Ganz im Gegensatz zu Pressemeldungen der vergangenen Monate könnte damit Island in der kommenden Saison statt eines Reiseschnäppchens ein teures Vergnügen werden.

Regierung bestätigt Walfangquote (23.2.09)

Die neue isländische Regierung unter Jóhanna Sigurdardóttir hatte nach der Amtsübernahme angekündigt, die noch vom alten Fischereiminister Einar Gudfinnsson festgelegten Walfangquoten zu überprüfen. Umweltschützer hofften auf eine Rücknahme der für 2009 deutlich erhöhten Quoten. Nach Plänen der alten Regierung sollten bis zum Jahr 2013 bis zu 150 Finnwale und 100 Zwergwale für die kommerzielle Jagd freigegeben werden. Zur allgemeinen Überraschung wurde nun die Quote von der neuen Regierung bestätigt. Island hat im vergangenen Jahr rund 640.000 Euro mit dem Export von Walfleisch und anderen Walprodukten eingenommen.
Ob es als Folge des Walfangs zu einem Rückgang der Einnahmen im Bereich der Walbeobachtung kommt, bleibt abzuwarten. Mitarbeiter des Whalewatching-Anbieters Elding in Reykjavik sprachen bereits von ersten Stornierungen und zunehmendem Druck von Seiten ausländischer Reiseveranstalter. Andererseits war es nach der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs im Jahr 2006 nicht zum befürchteten Einbruch beim Whalewatching gekommen.

Kalte Zeiten (14.2.09)

Im Nordosten Islands zwischen dem Myvatn und Akureyri sank die Temperatur am 12. Februar auf -29°C. Der Bauernhof Svartárkot, wo die Temperatur gemessen wurde, liegt 400m über dem Meeresspiegel. Die tiefen Temperaturen sind allerdings für diese Gegend nicht ungewöhnlich und treten meist in Verbindung mit klarem Wetter auf.

Übergangsregierung nimmt Arbeit auf (5.2.09)

Die Koalitionsverhandlungen sind abgeschlossen und zwei Tage nach der Amtsübernahme beginnt die isländische Übergangsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen mit der Umsetzung ihres sieben Punkte Programms. Schon am Sonntag hatte die Übergangsministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir eine Neubesetzung des Notenbank-Vorstandes angekündigt und den derzeitigen Vorstand zum Rücktritt aufgefordert. Der grüne Finanzminister kündigte eine Überprüfung der von seinem Vorgänger erhöhten Walfangquote an, ein vollständiger Stopp des Walfangs ist nicht unwahrscheinlich. Auch Gesundheitsminister Jonasson wurde bereits aktiv und hob die Anfang des Jahres eingeführte Krankenhausgebühr von 6.000 Kronen auf. Nur 80 Tage hat die Regierung bis zu den Neuwahlen Zeit, um ihre weiteren Pläne umzusetzen. Als wichtigste Punkte gelten die Reorganisation des weitgehend verstaatlichten Bankensystems sowie Hilfen für Haushalte, die im Zuge der Finanzkrise in eine Schuldenfalle geraten sind. Interessant wird die Wahl Ende April in Hinsicht auf den EU-Beitritt. Während die Sozialdemokraten sich für einen EU-Beitritt und die Einführung des Euro aussprechen, sind die Grünen gegen einen EU-Beitritt und für eine Währungsunion mit Norwegen.

Islands neue Regierung steht (1.2.09)

Die designierte isländische Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir sieht die Regierungsbildung als fast abgeschlossen an. Die 66 Jahre alte Sozialdemokratin sagte am Samstag in einem Interview, es sei nur noch etwas Feinarbeit nötig. Die Koalitionsregierung aus Sozialdemokraten und Grünen soll zunächst bis Mai im Amt bleiben. Nach dem Rücktritt der Regierung von Geir Haarde wurden für den 25. April vorzeitige Neuwahlen angesetzt. Wie aus Insiderkreisen zu erfahren war, konnten die Sozialdemokraten ein wichtiges Ziel in den Koalitionsverhandlungen nicht durchsetzen: die Volksabstimmung über einen EU-Beitritt Islands am Tag der Parlamentswahlen wurde von den Grünen abgelehnt. Die Grünen haben sich wiederholt gegen einen EU-Beitritt Islands ausgesprochen und haben eine Währungsunion mit Norwegen ins Spiel gebracht. Da die Sozialdemokraten zusammen mit den Grünen keine Mehrheit im Parlament haben, ist die Regierung unter Jóhanna Sigurdardóttir auch auf Stimmen der Fortschrittspartei angewiesen. Wegen Bedenken der Fortschrittsparteiwurde die Amtsübernahme der neuen Regierung schon mehrfach verschoben.

Regierungskoalition platzt wegen Finanzkrise (26.1.09)

Die wochenlangen Proteste gegen die isländische Regierung haben Wirkung gezeigt. Nachdem die Sozialdemokraten die Koalition aufgekündigt haben, reichte Ministerpräsident Geir Haarde gestern seinen Rücktritt ein. Die isländischeRegierung ist damit die erste weltweit, der die Finanzkrise zum Verhängnis wurde. Präsident Olafur Grimsson beauftragte die Sozialdemokraten mit der Bildung einer Übergangsregierung bis zu den Neuwahlen, die für Mai geplant sind.

EU sieht einseitige Euroeinführung kritisch (10.1.09)

EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn sieht isländische Überlegungen, den Euro einzuführen, ohne der EU beizutreten, sehr kritisch. Seiner Meinung nach ist die Situation in Island in keiner Weise mit der in Montenegro vergleichbar, wo der Euro bereits eingeführt wurde, obwohl das Land noch kein Mitglied der EU ist, wohl aber die Mitgliedschaft beantragt hat. Außerdem galt vor Einführung des Euro die D-Mark als offizielle Währung in Montenegro. Rehn sagte, die einseitige Einführung des Euro in Island könnte einen Beitritt Islands zur EU erschweren. Der einzige gangbare Weg sei die Beantragung der EU-Mitgliedschaft und die Erfüllung der Maastrichtkriterien, bevor der Euro offiziell in Island eingeführt werden könne. Dieser Meinung sind auch isländische Volkswirtschaftler, nach deren Aussage die Einführung des Euro keinesfalls die Probleme der isländischen Wirtschaft lösen würde.

Immobilienmarkt zusammengebrochen (3.1.09)

Die Zahl der Immobilienverkäufe in Island ist im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 60% zurück gegangen. Während im Jahr 2007 noch 15.300 Notarurkunden über Immobilienverkäufe ausgestellt wurden, waren es im vergangenen Jahr nur noch 6.200. Die Umsätze gingen 2,4 Milliarden Euro auf 1,1 Milliarden Euro zurück. Der Immobilienmarkt hat damit einen Tiefstand wie zuletzt vor 15 Jahren erreicht. Am deutlichsten ist der Rückgang im Hauptstadtgebiet. Während 2007 noch 10.800 Kaufverträge abgeschlossen wurden, waren es 2008 nur noch 3.500. Derzeit herrscht auf vielen Baustellen Ruhe, die Arbeiten wurden bis auf Weiteres eingestellt. Tausende Arbeitnehmer aus dem Ausland, die vor allem in der zuletzt noch boomenden Baubranche tätig waren, haben Island inzwischen verlassen.