Alles, was Sie schon immer über Island wissen wollten

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Die 13 isländischen Weihnachtsmänner

In Island gibt es viele Trolle. Ein besonders übles Exemplar dieser Gattung ist Grýla, eine häßliche, böse alte Frau, die im Gebirge haust. Ihre Lieblingsspeise sind Menschen und sie ist wie die meisten Trolle recht faul. Im Gegensatz zu anderen Trollen ist sie auch eine Perfektionistin und wenn sie sich aufrafft, etwas zu machen, dann macht sie es richtig. Oft ruht sie aber Jahrhunderte und ihre Kochtöpfe bleiben kalt. Ausgehungert wie sie dann ist, entfacht sie nach einer solchen Fastenkur ein derartiges Höllenfeuer in ihrer Küche, dass die Hitze bis an die Erdoberfläche gelangt – wir Menschen sehen dann einen Vulkanausbruch.

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Austurvöllur in der Vorweihnachtszeit
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Mit Ihrem dritten Ehemann, Leppalúði, hat sich Grýla gut arrangiert, denn er ist freundlich, treu und vor allem hält er den Mund – Grýla schätzt es nicht sehr, wenn ihr jemand sagen möchte, was sie tun soll. Zum Haushalt gehören auch noch 65 Söhne Grýlas und ihre große schwarze Katze Jólakötturin. Dreizehn der Kinder stammen von Leppalúði und zusammen mit der schwarzen Katze ist es ihre Aufgabe, unartige Kinder zu fangen und sie den Kochtöpfen ihrer Mutter zuzuführen. Da sich Trolle nur bei Dunkelheit gefahrlos bewegen können und Sonnenlicht sie zu Stein erstarren läßt, kommen Grýlas Söhne nur in den Tagen vor und nach der Wintersonnwende, wenn die Nächte besonders lang sind, in bewohnte Gebiete.

Als erster kommt am 12. Dezember Stekkjastaur (Pferchpfosten) aus dem Gebirge. Er ist ein dürrer, schlaksiger Kerl und hat es vor allem auf die Milch der Mutterschafe im Stall abgesehen.

Ihm folgt am 13. Dezember Giljagaur (Schluchtkobold). Seine Vorliebe gilt dem Schaum der Milch im Kuhstall.

Stúfur (Knirps), ein kleiner, zierlicher Kerl, macht sich ab 14. Dezember über die angebrannten Reste in den Pfannen her.

Ab 15. Dezember ist kein Kochlöffel mehr sicher, denn Þvörusleikir (Kochlöffellecker) schleckt sie alle ab.

Auch die Reste in den Kochtöpfen finden noch einen dankbaren Abnehmer, wenn Pottaskefill (Topfschaber) ab 16. Dezember unterwegs ist.

Der Eßnapflecker Askasleikir versucht ab 17. Dezember, die Eßnäpfe der Menschen zu stehlen und leckt sie aus.

Spätestens wenn am 18. Dezember Hurðaskellir (Türzuschläger) aus dem Gebirge kommt, ist es vorbei mit der vorweihnachtlichen Ruhe.

Besonders gesund ernährt sich Skyrgámur (Quarkgierschlund), der sich ab 19. Dezember am Magermilchquark (Skýr) vergreift.

Am 20. Dezember geht es geräucherten Würsten an den Kragen - Bjúgnakrækir (Wurststibitzer) holt sich seinen Anteil aus dem Rauchfang.

Der Fensterglotzer (Gluggagægir ) späht ab 21. Dezember die warmen gemütlichen Stuben der Menschen aus. Er hat es nicht nur auf Essen abgesehen, sondern liebt glitzernde und glänzende Dinge über alles.

Unverwechselbares Kennzeichen von Gáttaþefur (Türschlitzschnüffler) ist seine lange, empfindliche Nase. Ihm hat es das frische Brot angetan, wenn er ab 22. Dezember unterwegs ist.

Selbst der Weihnachtsbraten bleibt nicht verschont. Am 23. Dezember kommt Ketkrókur (Fleischkraller) und er ist ein kleiner Feinschmecker.

Als letzter kommt am heiligen Abend Kertasníkir, der Kerzenschnorrer, zu den Menschen.

Ab dem 25. Dezember verschwinden die Söhne Grýlas in gleicher Reihenfolge wieder im Gebirge, als letzter verläßt am 6. Januar Kertasníkir die bewohnten Gebiete.
Es ist zwar noch immer Aufgabe der 13 Burschen, zusammen mit Grýlas Katze böse Kinder zu ihr zu verschleppen, aber die Katze und die Söhne Grýlas helfen sich heimlich gegenseitig, die Kinder wieder zu ihren Eltern zurück zu bringen. So hat Grýla seit langer Zeit schon kein Kind mehr zwischen die Zähne bekommen. Ihre 13 Söhne sind aber inzwischen bei Kindern in Island sehr beliebt und werden jedes Jahr schon sehnsüchtig erwartet. Wegen der Geschenke, die sie bringen, werden sie oft für den Weihnachtsmann gehalten und aus Freude darüber, dass man ihre wahre Herkunft fast schon vergessen hat, kleiden sie sich heutzutage auch in rote Gewänder. Deshalb gibt es in Island tatsächlich 13 Weihnachtsmänner.
Bei ihrer Suche nach bösen Kindern entdeckten die Söhne Grýlas irgendwann einmal das Essen der Menschen und mussten feststellen, dass es viel besser als der Eintopf ihrer Mutter schmeckt. Sie begannen schließlich damit, bei ihren Ausflügen Essen zu stehlen und jeder entwickelte dabei besondere Vorlieben. Und sie fanden heraus, dass es um die Weihnachtszeit besonders leckeres Essen bei den Menschen gibt.
Natürlich blieb den Menschen das Treiben der Trolle nicht verborgen und als sie herausgefunden hatten, wer ihnen das Essen stibitzte, gaben sie den Trollen Namen, die ihre Vorlieben beim Essen beschreiben.
Da die Söhne Grýlas in ihrem Wesen eher dem Vater ähnlich waren, bekamen sie mit der Zeit ein schlechtes Gewissen wegen des fortwährendes Mundraubes. Sie beschlossen also, den Menschen etwas Hübsches zu schenken und legten ihnen nach Trollart schöne große Steine in die Gärten und auf die Wiesen. Doch zu ihrem Entsetzen mussten sie feststellen, daß die Menschen darüber keineswegs erfreut waren. So begannen sie schließlich damit, Spielzeug für brave Kinder zu basteln und kamen einer nach dem anderen an den 13 Tagen vor Weihnachten aus dem Gebirge zu den Menschen, um die Geschenke zu verteilen. Die Kinder stellen in Island noch heute Schuhe vor die Türe oder hängen Socken an die Türklinke und wenn sie brav waren, finden sie am Morgen kleine Geschenke darin. Böse Kinder finden nur eine Kartoffel im Schuh.