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Die Hallgrímskirche in Reykjavík

Die Hallgrimskirche krönt mit ihrem 73m hohen Turm, der über alle anderen Gebäude Reykjavíks hinausragt, Islands Hauptstadt auf eindrucksvolle Weise. Kein anderes Bauwerk des Landes hat eine ähnlich lange Zeit zur seiner Errichtung in Anspruch genommen und nur wenige lösten so viele Kontroversen aus wie die Kirche. Heute ist sie mit Sitzplätzen für 1200 Besucher das größte Gotteshaus der Insel.

Der Turm der Hallgrímskirche.
Der Turm der Hallgrímskirche.

Ihr Standort, die Skólavörðuholt-Höhe, war schon früh ins Auge gefaßt worden, um eine ganz Reykjavík überragende und dem damals schnell wachsenden östlichen Teil der Stadt dienende Kirche zu errichten. Mit dieser Idee war auch bald der Name des Pastors Hallgrímur Pétursson (1614-1674) verbunden, dem wohl beliebtesten Dichter der Isländer. Seine Werke, besonders die Passionspsalmen, von Generationen gelesen und gelernt, gesungen und verehrt, haben die Entwicklung des geistlichen Lebens auf Island wohl stärker beeinflußt als irgendein anderes Ereignis, seit die Nation im Jahre 1000 das Christentum annahm. Heute gehören 95% der Bevölkerung der seit der Reformation evangelisch-lutherischen Nationalkirche an.
Im Jahre 1937 wurde der Staatsarchitekt Guðjón Samúelsson beauftragt, die Hallgrímskirche zu entwerfen. Von Samúelssons Zeichenbrett stammen auch einige andere der eindrucksvollsten Bauwerke des Landes, u.a. das Hauptgebäude der Universität, das Nationaltheater, der katholische Dom in Reykjavík und die Hauptkirche von Akureyri. Wie viele seiner Kollegen in anderen nordischen Ländern zu jener Zeit, strebte auch er so etwas wie einen Nationalstil an. Dieser sollte eine Verbindung schaffen zwischen verschiedenen, immer wiederkehrenden Motiven isländischer Landschaft und der Architektur und sein größtes und letztes Werk, die Hallgrímskirche, erinnert sowohl an die zerklüfteten Berge und Gletscher wie an die großen, kargen Weiten des Landes. Wie bei einem Projekt dieser Größe und Exponiertheit nicht anders zu erwarten, schieden sich die Geister an seinem Entwurf, trotzdem wurde 1945 mit den Bauarbeiten begonnen.
Im Jahre 1948 wurde eine Kapelle im Keller unter dem heutigen Chor eingeweiht, 1974 waren Turm und Flügel mit einer neuen Kapelle fertiggestellt, und im Jahre 1986 konnte zur 200-Jahr-Feier der Stadt Reykjavík das Kirchenschiff eingeweiht werden. Die Kosten des Bauwerks wurden zu 60% von der Gemeinde getragen, der Rest wurde von in- und ausländischen privaten und staatlichen Geldgebern aufgebracht.
Im Dezember 1992 wurde die große Konzertorgel der Kirche eingeweiht, erbaut von Johannes Klais Orgelbau in Bonn. Sie verfügt über einen mechanischen Spieltisch mit 4 Manualen und Pedalwerk, 72 Register und 5275 Pfeifen. Die Orgel ist ca. 15m hoch und wiegt 25 Tonnen. Sie ist mit Abstand das größte Instrument ihrer Art in Island und wird neben ihrer Aufgabe beim Gottesdienst auch für Konzerte eingesetzt. Ein zweiter Spieltisch im Kirchenschiff wurde 1997 eingebaut. Der Orgelkauf wurde u.a. durch Pfeifenstiftungen finanziert. Unter den sichtbaren Orgelpfeifen des Prospekts, der Front, dominieren die seitlichen Pfeifen mit ca. 10m Länge.
Parallel zum Orgelbau wurde das feste Gestühl installiert. Ein Teil der Bestuhlung ist flexibel, so daß anläßlich größerer Konzerte, die ein Orchester erfordern, Umbauten möglich sind.

Im Inneren der Hallgrímskirkja.
Im Inneren der Hallgrímskirkja.

Die Türen im Kirchenschiff mit ihren Bleiverglasungen stammen vom Künstler Leifur Breiðfjörð, der auch die Ornamente an der Kanzel schuf, welche zu Pfingsten 1993 geweiht wurde. Sie konnte aus Gaben, die der Kirche anläßlich des 70. Geburtstages von Bischof Dr. Sigurbjörn Einarsson im Jahr 1981 zuflossen, realisiert werden. In das Ornament der Kanzel wurde das Faksimilie von Hallgrímur Pétursson integriert, ferner Symbole für Gottvater, Sohn und Heiligen Geist. Auch die Rückseite der Kanzel ist künstlerisch gestaltet und trägt das Symbol XP, sowie an beiden Seiten die Symbole Alpha und Omega. Den Schalldeckel ziert ein bekannter Vers von Hallgrímur Pétursson. Dominierende Farben sind das Grün der Hoffnung, des Wachstums und der Reife, sowie das Violett der Reue, die Farbe der Fastenzeit. Das Taufbecken der Kirche ist eine Leihgabe des Isländischen Nationalmuseums und zeigt die Verkündung Mariae.
Der Bildhauer Einer Jónsson schuf die Statue Christi und machte sie 1948 der Kirche zum Geschenk. Andere Kunstwerke im Kirchenschiff sind die Skulptur Marturium von Sigurjón Ólafsson und eine Kopie der ersten isländischen Bibel, die 1584 in Holar gedruckt wurde.
Die Gemeinde der Hallgrímskirche zählt etwa 6000 Seelen. Ihr dienen zwei Pastoren, eine Diakonin und ein Kantor sowie zahlreiche freiwillige Helfer in der Kinder- und Altenarbeit. Die zwei Kaplane des Universitätskrankenhauses und ein Kaplan für Gehörlose sind der Kirche assoziiert.
Der Motettenchor der Hallgrímskirche, im Jahre 1982 vom Kantor gegründet, ist einer der besten im Lande und macht mit Konzertreisen und Aufnahmen international von sich reden. Der Verein "Freunde der Künste in der Hallgrímskirche" veranstaltet Konzerte, Ausstellungen und Aufführungen, die Jahr für Jahr Besucher in großer Zahl anziehen. Alle zwei Jahre organisiert der Verein das Festival der Kirchenkunst und im Juli und August jeden Jahres findet die Konzertreihe "Orgelmusik an Sommerabenden" statt.
(Auszug aus der Broschüre "Hallgrímskirkja Reykjavík", Text verändert)