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Walfang

Eine persönliche Anmerkung

Viele Umweltschutzorganisationen haben sich das Thema Walfang auf die Flagge geschrieben und auch in Island wird kontrovers darüber diskutiert. Leider werden im Zusammenhang mit dem Walfang oft Auseinandersetzungen geführt, die schon ideologischen Charakter haben, ein sachlicher Austausch von Argumenten ist oft nicht möglich. Da ich selbst Biologe bin, ist auch mir der Natur- und Artenschutz ein persönliches Anliegen. Ich halte es aber trotzdem für legitim, wenn ein Land seine natürlichen Resourcen nutzen möchte. Einem anderen Land generelle Vorschriften zu machen, welche Resourcen genutzt werden dürfen, steht uns glaube ich nicht zu und gegen eine nachhaltige Nutzung, die die Belange des Natur- und Artenschutzes berücksichtigt, ist auch nichts einzuwenden. Sicher werden manche Besucher dieser Website meine Einstellung nicht teilen, trotzdem ist es im Sinne einer sachlichen Auseinandersetzung kein Fehler, die folgenden Ausführungen zu lesen und bei der eigenen Meinungsbildung zu berücksichtigen.

Geschichte des Walfangs

Wale waren für die Isländer in früheren Zeiten oft die einzige Möglichkeit, zu überleben. Ein gestrandeter Wal stellte einen unglaublichen Reichtum dar und der Finder war verpflichtet, seine Nachbarn zu informieren. Der gewaltige Fleischvorrat konnte die Bevöklerung eines ganzen Landstriches monatelang ernähren.
Der organisierte Walfang begann etwa im 12. Jahrhundert - allerdings nicht in Island, sondern in der Biskaya. Wale stellten eine wichtige Rohstoffquelle dar und vor allem der Tran wurde für die Erzeugung von Öl, Kerzen und Seife genutzt. Nachdem die nutzbaren Walarten in den spanischen Gewässern fast ausgerottet waren, suchten sich die Walfänger neue Jagdgebiete. Zahlreiche Dokumente aus dem 16. und 17. Jahrhundert machen deutlich, dass die Basken die isländischen Gewässer als eines ihrer wichtigsten Jagdgebiete ansahen. Im 17. und 18. Jahrhundert beteiligten sich dann auch andere Länder zunehmend am Walfang - nicht zuletzt, um an "Fischbein" zu gelangen, das zur Herstellung von Korsetts für die Dame von Welt Verwendung fand. Der Walfang zu dieser Zeit war noch ein sehr gefährliches Handwerk, da die Beute mit der Hand harpuniert werden musste - technische Hilfsmittel für den Fang und die Verarbeitung standen praktisch nicht zur Verfügung.
Mit der Entwicklung von Dampfschiffen und Harpunen, die mit Kanonen abgeschossen wurden, begann im 19. Jahrhundert ein neues Zeitalter des Walfangs. Ende des 19. Jahrhunderts waren die Walbestände vor den Küsten Europas so weit dezimiert, dass ein Fang nicht mehr wirtschaftlich war. Norwegen errichtete um 1880 auf Island mehrere Walfangstationen, die nach etwa 30 Jahren aber wieder demontiert und in die Antarktis transportiert wurden - dort hatte man riesige Walvorkommen entdeckt und konnte die Anlagen gewinnbringender betreiben.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden u.a. von den Japanern riesige Fabrikschiffe in Betrieb genommen. Damit war der Walfang auch auf dem offenen Meer weitab der Küsten möglich. Die Walfangboote brachten ihre Beute zum Mutterschiff, dort wurden die Wale über eine Rampe am Heck des Schiffes an Bord gezogen und verarbeitet.
Nachdem viele Walarten an den Rand der Ausrottung getrieben waren, beschloss die Internationale Walfangkommission IWC 1983 ein Fangverbot. Daran sind allerdings nur Länder gebunden, die das entsprechende Abkommen unterzeichnet haben.

Anlandung eines Finnwals.
Anlandung eines Finnwals.

Walfang in Island

Wie schon erwähnt, stellten gestrandete Wale in früherer Zeit eine wichtige Nahrungsquelle für die Isländer dar. Da die Isländer selbst nur über kleine Ruderboote vefügten, nahmen sie selbst kaum am Walfang teil. Wale, die vom Treibeis eingeschlossen waren, wurden getötet und genutzt, gelegentlich wurden auch Kleinwale in flache Gewässer getrieben und dort getötet.
Nachdem von den ausländischen Walfängern die Bestände in den islänidschen Gewässern stark dezimiert worden waren, erließ die Regierung 1915 ein Gesetz zum Schutz der Wale. Es wurde 1928 wieder geändert und erlaubte es den Isländern, in heimischen Gewässern Wale zu jagen, verpflichtete die Fischer aber, alle Teile der Tiere zu nutzen. Im Jahr 1935 betrieben die Isländer erstmals selbst modernen Walfang, 1948 ging die Walfangstation im Hvalfjörður in Betrieb.
In den Folgejahren wurden vor allem Finnwale, Seiwale und Zwergwale gefangen, für Blauwale, Pottwale und Buckelwale wurde bald ein Fangverbot erlassen, um in den isländischen Gewässern deren Ausrottung zu verhindern. Pro Jahr wurden bis zu 400 Wale gefangen und an Land verarbeitet, Fabrikschiffe gab es in Island nicht.
Nachdem 1986 das Fangverbot der IWC in Kraft trat, wurden seit 1989 in Island keine Wale mehr gefangen, auch nicht zu wissenschaftlichen Zwecken. Verschiedene Naturschutzorganisationen versuchten nach 1986, vor allem in Norwegen und Japan den Walfang zu verhindern. Die Bemühungen zeigten aber nur wenig Erfolg und so wandte man sich der kleinsten Walfangnation zu. In den Medien wurde dazu aufgerufen, aus Protest gegen den Walfang isländische Fischereiprodukte zu boykottieren. Der Aufruf wurde von der Bevölkerung weitgehend unterstützt. Da Island wirtschaftlich vom Fischfang abhängt, war die Regierung schließlich gezwungen, den Walfang zu verbieten. Von den Naturschützern wurde dies als großer Erfolg gefeiert, während das eigentliche Ziel, nämlich die Einstellung des Walfangs in Norwegen und vor allem in Japan, nicht erreicht wurde. Als 1991 das Fangverbot durch die IWC verlängert wurde, trat Island aus der Kommission aus, hat den Walfang aber bis 2003 nicht wieder aufgenommen.
Im Jahr 2002 trat Island der IWC wieder bei. Im Jahr 2003 begann das Land unter internationalem Protest mit dem Walfang zu wissenschftlichen Zwecken. Bis zum Ende der Fangsaison 2005 wurden rund 100 Zwergwale geschossen. Seit Oktober 2006 werden Wale wieder kommerziell gefangen. Die Fangquoten werden jährlich neu festgelegt und betragen für Finnwale ca. 150 Tiere, für Zwergwale ca. 200 Tiere. In den letzten Jahren wurden die Quoten in der regel nicht ausgeschöpft. Nach Schätzungen der Internationalen Walfangkommission gibt es im Nordatlantik derzeit einen Bestand von 25.800 Finnwalen und 43.600 Zwergwalen.
Wirtschaftlich gesehen spielt der Walfang für Island praktisch keine Rolle und interessant ist auch die Tatsache, dass mehr als die Hälfte des Walfleisches von Touristen verzehrt wird.

Finnwal nach der Anlandung im Hvalfjörður.

Schlussbemerkung

Auch in Island wurde intensiv über die Wiederaufnahme des Walfangs diskutiert, da die Anbieter von Walbeobachtungstouren einen Einbruch der Besucherzahlen befürchteten. Trotzdem besteht ein gewisser Grundkonsens, sich nicht von außen vorschreiben zu lassen, ob und wie natürliche Resourcen genutzt werden dürfen. Gerne wird in der Diskussion darauf verwiesen, dass eine vorsichtige und nachhaltige Nutzung der Walbestände geplant ist und man sich keineswegs die wirtschaftliche Grundlage durch zu starke Nutzung selbst entziehen wolle. Ein geschichtlicher Rückblick läßt dies auch glaubhaft erscheinen, haben die Isländer doch schon lange vor Gründung der IWC Maßnahmen zum Schutz der Wale eingeleitet.
Kritiker aus dem europäischen Ausland werden an ihre eigenen Fehler erinnert, nicht zuletzt an den Zusammenbruch der Dorschbestände in Nord- und Ostsee durch Überfischung, die Massentierhaltung, durch Antibiotika verseuchte Lebensmittel und BSE.