Alles, was Sie schon immer über Island wissen wollten

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Museum für Magie und Hexerei Hólmavík

Im Museum für Magie und Hexerei in Hólmavik wird die Geschichte der Hexenverfolgungen in Island präsentiert. Anfang des 17. Jahrhunderts war in Island die Zeit der Reformation endgültig zu Ende. Unter der neuen orthodoxen protestantischen Kirchenführung begann bald das Jahrhundert der Verfolgung von Menschen, die der Hexerei und Magie beschuldigt wurden. Man glaubte allgemein, dass der Teufel sich auf der Erde herumtreiben und sich in das Leben der Menschen einmischen würde. Viele der geistlichen und weltlichen Oberhäupter, von denen die Verfolgung hauptsächlich ausging, hatten in Dänemark und Norddeutschland studiert. Der alte Volksglauben in den kargen ländlichen Regionen Islands war ihnen völlig fremd.
Im Jahr 1652 wurde der erste Mensch als Zauberer in Nordisland verbrannt. Sein Name war Jón Rögnvaldsson und er wurde angeklagt, einen Geist erweckt zu haben, um einem Feind Schaden zuzufügen. Nur zwei Jahre später starben in Trékyllisvík drei weitere Männer wegen Zauberei auf dem Scheiterhaufen. Im Laufe der Zeit wurden 16 weitere Männer und eine Frau wurden hingerichtet, der letzte Scheiterhaufen brannte 1683.
Das Museum zeigt, welche Menschen als Ankläger und Beschuldigte beteiligt waren, weshalb sie angeklagt wurden und welche Urteile gefällt wurden. Eine Vielzahl von Exponaten gibt außerdem einen Einblick in die Magie und Hexerei.
Ein besonderes Ausstellungsstück ist die „Leichenhose“. Es handelt sich dabei um die sauber abgezogene Haut vom Unterleib und den Beinen eines Mannes. Leichenhosen wurden von Hexen angezogen, um magische Kräfte zu erlangen. Praktischer Nebeneffekt: wenn die Hexe einer armen Witwe eine Münze gestohlen hatte und diese zusammen mit dem magischen Zeichen "Nábrókarstafur" auf einem Blatt Papier in den Hodensack der Leichenhose gelegt hatte, war der Hodensack immer voller Münzen, solange die ursprüngliche Münze nicht entfernt wurde. Bei dem makaberen Ausstellungsstück handelt es sich glücklicherweise um eine sehr gute Nachbildung.
Auffällig sind auch die als „Tilberi“ bezeichneten Dämonen, die nur von Frauen erschaffen werden können. Dazu müssen sie früh am morgen des Pfingstsonntages einer frisch beerdigten Leiche eine Rippe stehlen und sie mit ebenfalls gestohlener grauer Wolle umwickeln. Der Tilberi muss dann zunächst zwischen den Brüsten der Frau liegen und an den nächsten drei Sonntagen spuckt sie den geheiligten Wein in der Kirche auf ihn. So erwacht er langsam zum Leben. Dann lässt die Frau den Dämon an der Innenseite ihrer Schenkel saugen und er wird kräftiger. Dabei entsteht der Überlieferung nach eine warzenartige Zitze. Der Dämon wurde dem Volksglauben nach auf fremde Bauernhöfe geschickt und saugte an den Eutern der Kühe Milch. Dann kehrte er zu seiner Herrin zurück spuckte die zu Butter gewordene Milch in ihr Butterfass. Gefahr drohte allerdings, wenn die Frau selbst ein Kind säugte. Der Tilberi konnte seine Herrin dann zu Tode saugen. Um dies zu verhindern, musste der Dämon aus dem Weg geschaffen werden. Als beste Methode galt es, ihn auf drei Weiden in den Bergen zu schicken mit dem Auftrag, alle Schafsköttel einzusammeln, selbst die letzten drei, die er finden konnte. Dabei sollte sich der Tilberi entweder zu Tode arbeiten oder sterben, weil er als böses Wesen die Zahl drei als Symbol der christlichen Dreieinigkeit nicht ertragen konnte.

Holmavik