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Heimaey und die Westmännerinseln

Karte Westmännerinseln.

Vermutlich im Jahr 874 kamen die ersten norwegischen Dauersiedler auf Island an: Ingólfur Arnarson und sein Blutsbruder Hjörleifur. Während Ingólfur sich im Westen des Landes niederließ, blieb Hjörleifur an der Südküste. Der Überlieferung nach war er seinen irischen Sklaven gegenüber sehr grausam und wurde schließlich von ihnen ermordet. Da die Sklaven die Rache von Hjörleifurs Blutsbruder Ingólfur fürchteten, flüchteten sie auf eine der Südküste vorgelagerte Inselgruppe. Im Jahr 875 entdeckte Ingólfur die Schandtat. Obwohl sich die Sklaven auf die vorgelagerten Inseln geflüchtet hatten, wurde sie aufgespürt und umgebracht. Seit dieser Zeit werden die Inseln Westmännerinseln genannt. Als Westmänner wurden damals alle Sklaven bezeichnet, die die norwegischen Siedler von den westlich der norwegischen Küste gelegenen britischen und irischen Inseln mitbrachten.

Weltbekannt wurden die Westmännerinseln in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Am 14. November 1963 entdeckten Fischer etwa 20km südwestlich von Heimaey, der größten der 15 Inseln der Westmännergruppe, die aus dem Meer aufsteigende Rauchsäule eines Vulkanausbruchs. Im Laufe der nächsten dreieinhalb Jahre entstand die Insel Surtsey, benannt nach dem Feuerriesen Surtur. Sie erreichte eine Höhe von 188m und eine Fläche von rund 2,5km2. Wissenschaftlern bietet Surtsey die einmalige Gelegenheit, die Besiedlung einer Insel zu beobachten. Nur Wissenschaftler dürfen die Insel betreten. So soll verhindert werden, daß durch Besucher Sporen und Samen eingeschleppt werden. Bis heute wurden auf Surtsey rund 50 Pflanzenarten registriert, alleine im Jahr 1996 wurden 5 neu eingewanderte Pflanzenarten entdeckt. Auch sieben Seevogelarten brüten inzwischen regelmäßig auf Surtsey. Der Kampf zwischen Feuer und Wasser war mit dem Ende des Surtseyausbruchs im Jahr 1967 noch nicht beendet - das Meer nagt seitdem ständig an der erkalteten Lava und hat inzwischen 15% der ursprünglichen Inselfläche abgetragen. Andere Inseln, die ebenfalls in den sechziger Jahren neu entstanden, wurden bereits nach kurzer Zeit wieder vollständig abgetragen. Syrtlingur trotzte dem Meer z.B. nur 6 Monate, die "Weihnachtsinsel" Jólaey immerhin vom Dezember 1965 bis September 1966.

Heimaey, die einzige bewohnte Insel der Westmänner.
Heimaey, die einzige bewohnte Insel der Westmänner.

Über Heimaey, die einzige ständig bewohnte Insel der Westmänner, brach das Unglück in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar 1973 herein. Ohne Vorankündigung öffnete sich nur einige hundert Meter vom Stadtzentrum entfernt eine fast 2km lange Eruptionsspalte mit mehrere Kratern und riß die rund 5000 Einwohner der Insel aus dem Schlaf. Wegen des schlechten Wetters lag in dieser Nacht praktisch die gesamte Fischereiflotte von Heimaey im Hafen. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, daß die Insel innerhalb weniger Stunden evakuiert werden konnte und niemand ernsthaft zu Schaden kam. Der Ausbruch konzentrierte sich im Laufe der Zeit auf den mittleren Bereich der Spalte und nach und nach baute sich der neue Vulkan Eldfell (Feuerberg) auf. Einige hundert Menschen blieben auf der Insel zurück, um zu retten, was zu retten war. Insbesondere befürchtete man, das ein Lavastrom die lebenswichtige Hafeneinfahrt verschütten könnte. Mit leistungsfähigen Pumpen und kilometerlangen Rohrleitungen wurden mehr als 6 Millionen Tonnen Meerwasser auf den Lavastrom gepumpt, um ihn abzukühlen. Das Unternehmen gelang tatsächlich und der Lavastrom konnte rechtzeitig gestoppt werden. Heute bietet der neu entstandene Lavawall und der Eldfell dem Hafen und der Stadt zusätzlichen Schutz bei Stürmen. Während des Ausbruchs auf Heimaey flossen über 230 Millionen Kubikmeter Lava aus, rund 400 Häuser der Stadt wurden von den Lavamassen begraben. Obwohl der Ausbruch noch anhielt, waren bis Ende 1973 bereits wieder mehr als 2000 Menschen auf ihre Insel zurückgekehrt und begannen damit, die über 2m hohen Ascheablagerungen aus der Stadt zu schaffen. In der Umgebung der Westmännerinseln und auf den Inseln selbst muß immer wieder mit Vulkanausbrüchen gerechnet werden. Die Inselgruppe liegt genau auf dem Mittelatlantischen Rücken in der aktiven Vulkanzone, die sich mit der Katla und der Hekla nach Norden fortsetzt.

Die Fähre Herjólfur verkehrt täglich mehrmals zwischen Heimaey und Landeyarhöfn an der Südküste Islands, die Überfahrt dauert etwa eine halbe Stunde. Es gibt allerdings nach wie vor immer wieder Probleme durch Versandung der Fahrrinne, dann verkehrt die Fähre zwischen Þorlákshöfn und den Westmännern und die Überfahrt dauert fast 3 Stunden. Aktuelle Informationen und Fahrpläne sind unter www.eimskip.is zu finden.

Obwohl auf der Insel nur 2% der isländischen Bevölkerung leben, werden hier rund 15% alle Fänge angelandet - Heimaey ist damit einer der wichtigsten Häfen des Landes. Wie seit Jahrhunderten werden hier übrigens auch heute noch Papageitaucher gefangen und Eier gesammelt. Dabei wird allerdings darauf geachtet, die Bestände nicht zu gefährden.

Die riesigen Seevogelkolonien an den Steilküsten der Inselgruppe sind auch in anderer Hinsicht eine wichtige Einkommensquelle. Vor allem während der Brutzeit kommen viele ornthologisch interessierte Besucher auf die Inseln, um an Wanderungen und Bootsfahrten zu den Vogelfelsen teilzunehmen.

Am ersten Wochenende im August platzt die Insel alljährlich aus allen Nähten. Drei Tage und Nächte findet das "Nationalfest" der Westmänner statt. Die Inselbewohner und tausende Gäste vom Festland quartieren sich während dieser Zeit in Zelten im Herjólfsdalur ein und singen, tanzen und trinken. Die Folgen dieser Festlichkeiten machen sich neun Monate später nicht nur auf den Westmännerinseln bemerkbar.