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Eckdaten isländischer Geschichte

Die Landnahmezeit

Obwohl in der offiziellen Geschichtsschreibung als erster Dauersiedler auf Island Ingólfur Arnarson genannt wird, gilt es inzwischen als sicher, dass Island bereits vor seiner Ankunft im Jahr 874 besiedelt war. Ausgrabungen von Hofanlagen aus dem 7. und 8. Jahrhundert in der Altstadt von Reykjavik und auf den Westmännerinseln bestätigen dies zweifelsfrei. Auch Berichte irischer Mönche deuten auf eine frühere Besiedlung des Landes hin.

Die eigentliche Landnahmezeit begann aber tatsächlich erst um das Jahr 875. In Norwegen hatte es der Häuptling Harald Schönhaar geschafft, praktisch alle anderen Stämme zu unterwerfen und sich zum ersten König Norwegens aufzuschwingen. Seine Widersacher hatten nur die Alternative, sich zu unterwerfen oder auszuwandern. Ein zweiter wesentlicher Grund für die Auswanderungswelle dürfte auch die Tatsache gewesen sein, dass in Norwegen durch das Bevölkerungswachstum und das gültige Erbrecht Land knapp geworden war und die Menschen gezwungen waren, nach neuem Land zu suchen. Nach Besiedlung der Shetlands um 620 und der Färöer um 800 folgte die Besiedlung Islands ab dem späten 9. Jahrhundert. Mit den Norwegern kamen auch zahlreiche keltische Sklaven und Dienstleute und am Ende der Landnahmezeit um 930 lebten rund 60.000 Menschen auf Island.

Die Freistaatzeit

Im Jahr 930 tagte erstmals das isländische Parlament in Þingvellir, eine Versammlung der freien Bauern und Goden. Als Goden wurden in Norwegen die heidnischen Priester und Tempelvorsteher bezeichnet. Das Parlament entschied im Jahr 1000 auch über die Annahme des Christentums als offizielle Religion, nicht zuletzt wegen des Drucks, der auch von der norwegischen Krone auf die Isländer ausgeübt wurde. Damit wurde eine Entwicklung eingeleitet, die über 200 Jahre später zum Verlust der Unabhängigkeit führen sollte. Die Goden übernahmen das Priesteramt und nachdem im Jahr 1097 von Bischof Gissur der Kirchenzehnte eingeführt worden war, oblag es den Goden auch, die Abgaben zu überwachen. Damit hatten die freien Bauern sich erstmals bereit erklärt, Steuern zu zahlen. Wie nicht anderes zu erwarten, kamen die Goden auf diese Art zu Reichtum, konnten sich Land kaufen, es verpachten und so stieg die Zahl der abhängigen Kleinbauern rasch an. Im Jahr 1220 war das Land schließlich in die Einflußsphären von 6 mächtigen Familien aufgeteilt, die sich gegenseitig befehdeten.

Die Streitigkeiten wurden sowohl von der katholischen Kirche, vertreten durch den Bischof von Trondheim, als auch durch den norwegischen König geschürt. Beide erhofften sich mehr Einfluß in Island. Es kam während der Sturlungenzeit (1220-1264) zu blutigen Kämpfen zwischen den mächtigen Familien, die teilweise die Ausmaße eines Bürgerkrieges annahmen. Im Jahr 1264 war das Land ausgeblutet und das Parlament sah keine Möglichkeit mehr, ohne Hilfe von außen Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Die Isländer unterwarfen sich dem Herrschaftsanspruch der norwegischen Krone, die im Gegenzug die Sicherung des Friedens garantierte.

Das dunkle Zeitalter

Nach der Einführung neuer Gesetze in den Jahren 1272 und 1281 hatte das isländische Parlament nur noch die Funktion eines Gerichtes. Es zeigte sich jedoch, dass die Macht im Lande nicht ohne die ehemals einflußreichen Familien auszuüben war. Der König verlieh vielen ehemaligen Goden Adelstitel und besetzte wichtige Verwaltungsämter mit ihnen.

Gleichzeitig gelang es der Kirche im Jahr 1297, durch einen Vertrag mit dem König den Großbauern die Macht über die Kirchen zu entziehen - die Kirchenabgaben flossen nun ohne Umweg direkt an den Bischof. Die beiden Bistümer kamen so auch in den Besitz zahlreicher Kirchen und der zugehörigen Ländereien.

Ab dem Jahr 1300 verschlechterte sich dann das Klima, der Landwirtschaft wurde teilweise die Grundlage entzogen und auch die Überweidung und Erosion trugen dazu bei, dass sich viele Menschen nach neuen Möglichkeiten umsehen mußten, den Lebensunterhalt zu sichern. Dies führte ab 1340 zur Ausweitung des Fischfangs und Fischexportes. Die saisonalen Fangdörfer befanden sich im Besitz einiger Großbauern und wurden mit Tagelöhnern betrieben - die Gründung von Fischerorten wurde von den Bauern verhindert.

1387 fiel Island an Dänemark, nachdem das norwegische Herrschergeschlecht ausgestorben war. Bedingt durch die Schwäche Dänemarks übernahmen die Engländer die Kontrolle im Handel mit Island und erst ab 1470 konnte die dänische Krone mit Hilfe der Hanse die Engländer wieder verdrängen. Mit dem Übertritt des dänischen Königs zum Protestantismus und der Enteignung der Kirche wurde der Machtkampf zwischen Kirche und Krone endgültig zugunsten des Königs entschieden. Bischof Arason von Holar versuchte zwar ab 1548 eine Gegenreformation in Island. Er wurde jedoch gefangen genommen und enthauptet und damit war das Streben nach Unabhängigkeit endgültig gebrochen.

Die dänische Krone versuchte nach Art der anderen europäischen Kolonialmächte, möglichst viel Gewinn aus den Kolonien Island und Grönland zu schlagen. Im Jahr 1602 wurde der Monopolhandel eingeführt und nur noch staatlich privilegierte Handelsgesellschaften waren zum Islandhandel berechtigt. Da die Isländer nicht über eigene Schiffe verfügten, waren sie endgültig auf Gedeih und Verderb ausländischen Mächten ausgeliefert - sowohl politisch als auch wirtschaftlich.

Aufbruch in die Neuzeit

Die desolate Situation im Land zeigte eine Volkszählung 1714. Über 95% der Bauern waren hoffnungslos verschuldet und 6% der Landbesitzer teilten über 50% des Landes unter sich auf. Krankheiten wie Pest und Pocken taten ein Übriges.

Der Landvogt Skúli Magnusson leitete ab 1752 eine Wende ein. Er sorgte dafür, dass zahlreiche kleine Handelsposten aufgelöst wurden und sich der Handel auf einige wenige Plätze konzentrierte. Auf diese Art konnten bessere Preise erzielt werden. Auch regte er die Gründung von kleinen Manufakturen an, um eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erreichen. Um 1770 begann man auch, die Infrastruktur im Land durch den Bau von Wegen zu verbessern.

Der Ausbruch der Lakispalte bedeutete einen herben Rückschlag und führte 1787 zur Lockerung des Monopolhandels. Einen weiteren Tiefpunkt markierte im Jahr 1801 die Auflösung des Althings. Doch unter dem Eindruck der französischen Julirevolution 1830 kam es auch in Dänemark zu Zugeständnissen an das Bürgertum. Dem isländischen Historiker und Philosophen Jón Sigurðsson gelang es, beim dänischen König im Jahr 1843 die Wiedereinsetzung des Althings mit beratender Funktion durchzusetzen. Sein Verdienst ist es auch, dass 1854 der Monopolhandel endgültig aufgehoben wurde.

Anläßlich der Tausendjahrfeier der Besiedelung Islands überreichte König Christian IX. dem Althing im Jahr 1874 eine eigene Verfassung. Gesetzgebung war danach gemeinsame Sache des Königs und des Althings, die Rechtsprechung lag aber in den Händen der Isländer. Durch das Engagement norwegischer Schiffseigner wurde auch der Ausbau von Häfen und Straßen sowie der Brückenbau vorangetrieben. Im Jahr 1903 akzeptierten die Dänen schließlich die Forderung nach einer eigenen isländischen Regierung und Hannes Hafstein wurde im gleichen Jahr der erste Ministerpräsident des Landes. Nach dem ersten Weltkrieg wurde in der Unionsakte festgelegt, dass Island den Status eines souveränen Königreiches erhalten und nur in Personalunion mit Dänemark verbunden bleiben sollte.

Um einer deutschen Invasion zuvor zu kommen, besetzten die Briten Island im Jahr 1940. Mit Zustimmung des Althings übernahmen die USA 1941 die Funktion als Schutzmacht. Die Bauvorhaben der Schutzmächte und Rekordergebnisse im Fischfang trugen zu einem wirtschaftlichen Aufschwung bei. Als 1943 die Unionsakte mit Dänemark auslief, sahen die Isländer ihre Chance gekommen, sich endgültig von Dänemark zu trennen, das zu dieser Zeit in der Hand Hitlers war. Im Mai 1944 sprachen sich 95% der Bevölkerung für die Gründung einer Republik aus und am 17. Juni 1944 wurde im historischen Þingvellir die Republik Island ausgerufen.