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Die isländische Fischereiwirtschaft

Geschichte der Fischerei

Island ist arm an Bodenschätzen, auch Landwirtschaft kann nur in kleinem Maßstab betrieben werden. Die Fischerei war deshalb für Island über Jahrhunderte der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Bereits im ausgehenden Mittelalter wurde z.B. Stockfisch nach England exportiert. Über Jahrhunderte hinweg wurde nur küstennaher Fischfang betrieben. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte langsam der Übergang zur Hochseefischerei. Während des zweiten Weltkrieges war Island der einzige bedeutende skandinavische Lieferant von Fischereiprodukten, in den anderen nordischen Ländern war die Fischerei durch die Kriegswirren praktisch lahmgelegt. Die erzielten Gewinne setzte Island zur Modernisierung der Fischereiflotte ein und verfügte so nach dem Krieg über eine der modernsten Flotten der Welt - Grundlage der stürmischen Entwicklung des Landes in den folgenden Jahrzehnten.

Fischköpfe an einem Trockengestell.
Fischköpfe an einem Trockengestell.

Zum Schutz der Fischgründe wurde 1631 erstmals eine Schutzzone von 32 Seemeilen festgelegt. Sie wurde jedoch wieder aufgehoben und erst im Jahr 1901 wurde eine neue Schutzzone von 3 Seemeilen festgelegt. Nach dem zweiten Weltkrieg führte der Einsatz der modernen Fangflotte innerhalb weniger Jahre zur Überfischung der isländischen Gewässer. Deshalb wurde die Schutzzone 1952 auf 4 Seemeilen ausgedehnt. Wegen erneuter Überfischung wurde die Zone 1959 dann auf 12 Seemeilen erweitert. Anfang der 70er Jahre brachen die Bestände wirtschaftlich genutzter Fischarten wieder zusammen. Island erweiterte die Schutzzone auf 50 Seemeilen. Es kam zum Streit zwischen Island und England, denn die Engländer waren nicht bereit, die erweiterte Schutzzone zu akzeptieren. Der Streit eskalierte und britische Trawler wurden von Kriegsschiffen begleitet. Dieser erste "Kabeljau-Krieg" wurde schließlich auf dem Verhandlungsweg beigelegt. Da die Erweiterung der Schutzzone auf 50 Seemeilen nicht die erhoffte Wirkung zeigte, wurde die Schutzzone 1975 auf 200 Seemeilen erweitert. Es kam erneut zum Streit zwischen Island und England, auch der zweite "Kabeljaukrieg" wurde aber auf dem Verhandlungsweg beigelegt. Die 200 Meilen Zone ist heute internationaler Standard und völkerrechtlich anerkannt.

Fischereiboote im Hafen.
Fischereiboote im Hafen.

Die Fischbestände erholten sich trotz der Schutzzone nur langsam. Da die Fischerei jedoch neben dem Tourismus und der Aluminiumindustrie auch heute noch einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes ist (2009 ca. 41% des Exportvolumens), waren weitere Schutzmaßnahmen notwendig. 1984 wurde ein Quotensystem eingeführt, jedes Schiff bekommt für die einzelnen Fischarten eine bestimmte Fangmenge zugeteilt. Die Quoten können auch getauscht werden, die einzelnen Schiffe können so für den Fang spezieller Fischarten ausgerüstet und kostendeckend betrieben werden.

Die Gewässer um Island sind besonders fischreich, da der warme Irmingerstrom (Golfstrom) und der kalte Ostgrönlandstrom vor der Küste aufeinandertreffen. Zudem ist das Wasser kaum mit Giftstoffen belastet. Pflanzen wachsen bis zu einer Tiefe von 40m und in den Gewässern um Island leben rund 270 Fischarten. Allerdings werden zur Zeit nur etwa 25 Fischarten genutzt, besondere Bedeutung haben Kabeljau, Schellfisch, Seebarsch und Plattfische. Die wichtigsten Abnehmer isländischer Fischereiprodukte sind neben den USA vor allem England und Deutschland. Seit 1991 können isländische Fischereiprodukte in die Europäische Union zollfrei eingeführt werden.

Interessant ist die Tatsache, daß trotz der Bedeutung der Fischerei nur etwa 2,5% der Arbeitnehmer direkt auf Booten und weitere 2,6% in der Fischverarbeitung beschäftigt sind (Stand 2014). Ende 2014 waren in Island insgesamt 1.685 Fischereifahrzeuge registriert, davon 49 größere Trawler.

Heilbutt (oben links) Seewolf (oben rechts) Kabeljau (mitte) Lobster (unten links) Rotbarsch (unten rechts).
Heilbutt (oben links) Seewolf (oben rechts) Kabeljau (mitte) Lobster (unten links) Rotbarsch (unten rechts).
Fischart 1995 (t) 2000 (t) 2005 (t) 2010 (t) 2014 (t)
Lodde (Capelin) - Mallotus villosus 715.000 892.000 605.000 102.000 106.000
Schellfisch (Haddock) - Melanogrammus aeglefinus 60.000 42.000 96.000 64.000 36.000
Köhler (Saithe) - Pollachius virens 47.000 33.000 67.000 54.000 46.000
Rotbarsch (Redfish) - Sebastes marinus 119.000 116.000 61.000 71.000 58.000
Steinbeißer (Catfish) - Anarhichas lupus 13.000 15.000 15.000 12.000 7.000
Blauer Wittling (Blue whiting) - Micromesistius poutassou 370 260.000 265.000 87.000 183.000
Kabeljau (Cod) - Gadus morhua 168.000 238.000 212.000 178.000 238.000
Hering - Clupea spec. 284.000 287.000 265.000 254.000 158.000
Shrimps 76.000 33.000 8.600 7.700 7.600
Plattfische 53.000 30.000 27.000 24.000 19.000

Staatliche Institutionen

Das Isländische Fischereiministerium erfüllt zahlreiche Aufgaben. Ihm sind verschiedene Institute unterstellt.

Das Meeresforschungsinstitut unterhält zwei eigene Forschungsschiffe. Es liefert Prognosen über die Bestandsdichte der einzelnen Arten, die als Grundlage für die Vergabe der Fischereiquoten dienen. Daneben untersucht das Institut, ob und wie sich alternative Arten wirtschaftlich nutzen lassen. Zu diesem Zweck wird u.a. eine institutseigene Versuchsanstalt betrieben. Die Umweltüberwachung zählt ebenfalls zu den Aufgaben des Instituts. Zur Zeit sind im Meeresforschungsinstitut ca. 170 Personen beschäftigt, ca 50 davon mit wissenschaftlicher Ausbildung.

Die 50 Angestellten des Fischereilabors, das ebenfalls dem Ministerium untersteht, beschäftigen sich mit Prozesstechnik, Mikroanalysen, sowie biologischen und chemischen Untersuchungen.

Ein spezielles Qualitätskontrollinstitut wacht über die Qualität der Fischereiprodukte. Auf den Schiffen, in Fabriken und auch bei Transportunternehmen wird die technische Ausstattung kontrolliert. Nur Unternehmen, die alle Anforderungen erfüllen, erhalten eine Lizenz für Fischfang oder Fischverarbeitung. Von den rund 40 Angestellten sind 20 im Außendienst tätig.

Der isländische Fischereiverband ist für Marketing, Information und Beratung zuständig. So absolviert z.B. jeder Grundschüler ein zweitägiges Seetraining, daß vom Fischereiverband durchgeführt wird.

Die Küstenwache untersteht dem Justizministerium. Neben der Überwachung der 200 Meilenzone, der Fangquoten und anderer Bestimmungen, die vom Fischeriministerium erlassen werden, ist die Küstenwache vor allem für Bergung und Seerettung zuständig. Die Küstenwache unterhält mehrere Schnellboote, Flugzeuge und Helikopter.

Wichtige Fischereihäfen

Hafen angelandete Fischmenge 2012
Reykjavik 90.000 Tonnen
Grindavik 41.000 Tonnen
Heimaey 28.000 Tonnen
Hafnarfjörður 27.000 Tonnen
Siglufjörður 17.000 Tonnen
Akureyri 15.000 Tonnen
Sandgerði 15.000 Tonnen
Bolungarvik 15.000 Tonnen
Rif 14.000 Tonnen
Dalvik 13.000 Tonnen